Magdeburg l Mohnblüten geben der Ausstellung ihren Titel: „Die rote Blume“. Jens Elgner inspirierte die 1883 erstmals veröffentlichte Kurzgeschichte des russischen Schriftstellers Wsewolod Garschin zu einer Reihe von Gemälden. Doch keinesfalls sieht er diese als Illustrationen der Geschichte um einen psychisch Kranken. Anregung sei dessen Schicksal bestenfalls gewesen, denn für ihn werden seelische Vorgänge über Bilder sichtbar gemacht. Vitalität und Kraft, die Malbewegung an sich, entspringt bei Elgner aus dem realen Leben.

Reihen nennt der 1958 in der Harzstadt geborene Künstler Bilder, die für ihn einen inneren Zusammenhang haben. Dann geben Titel wie „Malbriefe“ oder „Inkarnation“ Anhaltspunkte zum Inhalt, zu den Gedanken des Malers. „Marin“ steht symbolhaft für dessen Zuneigung zum Meer, zum Wasser, der Weite.

An der Ostsee entstanden erste Gemälde und Zeichnungen. Er mag keine großen Worte. Ruhe und Abgeschiedenheit scheint dieser Mann zu lieben, sieht sich wohl mitunter als eine Art Eremit. Für ihn ist der Betrachter in der Pflicht. Der soll sich auf eine Entdeckungsreise begeben. Das scheint gerade bei den Werken ohne Titel ein spannendes Unterfangen. Akribisch erhalten alle Arbeiten eine laufende Nummer, ohne dass sie dadurch in eine Chronologie gepresst werden wollen.

Magie des Verborgenen

Hektik hat in dem Schaffensprozess kaum etwas zu suchen. Ausdauer und Geduld stehen für das subtile Herangehen. Da summieren sich über einen längeren Zeitraum Farbschichten, neue Sichtweisen und Gedanken sorgen für veränderte Blickwinkel.

Manches Bild bekommt offensichtlich durch solche Überlagerungen eine Art geheime Botschaft. Fast komplett mit Schwarz regelrecht übermalte Darstellungen eröffnen Räume, sorgen für eine Magie des Verborgenen. Für den Blankenburger gibt es Bilder, die über einen Zeitraum von durchaus zwei Jahren reifen, ihrer Vollendung harren. Da geht es ungewöhnlich zu, erfahren Acrylfarben Zufügungen wie durch Sand oder andere Stoffe. Auf großen Flächen kommt diese Gedankenwelt am eindrücklichsten zum Tragen. Manchmal müsse er im Freien arbeiten, wenn das Atelier mit der Monumentalität dieser Projekte an seine Grenzen stößt.

Bisweilen wirken Elgners Arbeiten spröde, ohne es wirklich zu sein. Ganz im Gegenteil öffnet sich der Maler ein Stück weit, bringt seine ganze Persönlichkeit ein. Innere Vorgänge bekommen ein Gesicht. Inspirationen dafür kommen ihm unter anderem auf Reisen. Zufälle spielen eine Rolle für jemanden, der sich eigentlich ständig auf der Suche befindet.

Studium in Weißensee

Feine Striche gelten für eine Vielzahl von Arbeiten fast wie ein Markenzeichen. Mitunter zielen sie auf einen Mittelpunkt oder umkreisen das Motiv.

Jens Elgner studierte von 1979 bis 1980 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Architektur. Dort wechselte er dann zur Malerei und schloss sein Studium 1984 mit dem Diplom ab. Seitdem arbeitet der Künstler freiberuflich, beschäftigt sich mit Malerei und Grafik.

Aus dieser akademischen Ausbildung entspringt für ihn die Grundlage für den eigenen Schaffensprozess, der nicht einfach im klassischen Verständnis abstrakt genannt werden will. Diesen Begriff sieht Elgner als dehnbar an, fühlt sich mehr der Veränderung, dem Wandel und dem teilweisen Verlust der Gegenständlichkeit verpflichtet.