Halle (dpa) l Der „Herr der Ringe“ hat bei der neuen Sonderschau „Ringe der Macht“ im Landesmuseum Halle Pate gestanden. Die Ausstellung wird am 14. November eröffnet und endet am 01. Juni 2020. „Wir zeigen anhand von archäologischen Fundstücken die Faszination von Ringen über die Jahrtausende“, sagt Landesarchäologe Harald Meller. „Die Menschen glaubten an die Kraft von Ringen und Armreifen und an ihre Magie.“

Ein einmaliges Exponat ist die mit rund 3500 Jahren älteste Hand-Skulptur der Welt. „In Halle ist das Stück erstmals außerhalb der Schweiz zu sehen“, sagt Kuratorin Susanne Kimmig-Völkner. Die Hand wurde 2017 in der Schweiz von Grabräubern im Kanton Bern entdeckt. Sie ist nur unwesentlich kleiner als das menschliche Vorbild und aus Zinnbronze gegossen.

250 Objekte

Der Armreif aus Goldblech wurde am Armansatz angebracht. Er ist mit feinen Kreisaugen verziert. Es gibt eine Aussparung. „Das Stück kam den Grabräubern unheimlich vor und sie gaben es beim Archäologischen Dienst der Schweiz ab“, erklärt die Kuratorin. Das Artefakt stammt aus der Zeit der „Himmelsscheibe von Nebra“.

Bilder

Insgesamt präsentiert die Ausstellung 250 Objekte von 30 Leihgebern aus Deutschland, England, Frankreich, Ungarn, der Schweiz und Tschechien. Die ältesten Exponate sind rund 25 000 Jahre alte Fragmente von Armreifen aus Mammutelfenbein. Sie stammen aus einer Höhle in der Nähe von Trier. Der älteste Fingerring der Welt ist rund 30.000 Jahre alt und wurde in Pawlow (Tschechien) entdeckt.

Hervorzuheben ist der „Ring von Paußnitz“, der in einer aufwendigen Zentralinstallation zu sehen ist. Der 5,1 Gramm schwere Silberring wurde vor 121 Jahren in Paußnitz (Sachsen) von einem Gutsbesitzer in einem kleinen Keramikgefäß zusammen mit rund 500 Silbermünzen gefunden. Der gesamte Schatz datiert aus der Zeit um 1200. Die Zeichen auf dem Ring wurden erst 2004 entschlüsselt. „NAINE MI XPS“, was so viel heißt wie „Verneine mich, Christus“. Den Ring trug wahrscheinlich ein Kreuzfahrer.

Armring aus purem Gold

Auch ein Armring, 41,63 Gramm schwer aus purem Gold, aus einem germanischen Grab bei Großörner (Landkreis Mansfeld-Südharz), 5. Jahrhundert, ist zu sehen. Er gehörte wahrscheinlich einem Kind und belegt den Machtanspruch eines jungen Herrschers. Ebenso wird der älteste bekannte „Kolbenarmring aus Dänemark gezeigt.

Im Mittelalter wurden Ringen Zauberkräfte zugeschrieben. Sie sollten neben Macht, Stärke und Gesundheit auch Schönheit verleihen. Anklänge daran finden sich beispielsweise in dem Ring, der aus dem Nibelungenschatz gemacht wurde, und natürlich der Ring der bei Tolkien vorkommt. „Aus Großbritannien kommt ein römischer Ring, der als Vorbild für den Ring aus „der Herr der Ringe‘ von Tolkien diente“, sagt die Kuratorin.