Wittenberg (dpa) l Es wird gesägt, gehämmert und gebohrt: In Wittenberg zieht ein ungewöhnliches Ausstellungsprojekt nach Angaben der Organisatoren viele Besucher an. Wie die Kunsthistorikerin Marlies Schmidt von der Cranach-Stiftung sagte, entsteht derzeit im Hof und Garten des Cranach-Hofes in der Schlossstraße eine Art temporäres Dorf. Ziel sei es, während der Arbeiten Besuchern zu zeigen, wie auf kleinster Fläche außergewöhnliche Wohnräume entstehen. Beteiligt seien Designer, Studenten und Handwerker.

"Die Resonanz auf die entstehenden Häuser und die Ausstellung ist sehr gut, weil wir damit auch ein Publikum erschließen, die keine klassischen Museumsbesucher sind", sagte Schmidt. So zeigt die Schau unter dem Motto "Hartz IV-Möbel & 62 cm Home" seit Anfang März wenige Schritte von der Mini-Häuser-Baufläche im Cranach-Hof am Markt Entwürfe des Berliner Architekten und Gestalters Van Bo Le-Mentzel (41).

Nach Angaben von Schmidt, Kuratorin der Schau, hat der Designer dabei seine Erfahrungen eingebracht, als er längere Zeit auf staatliche Hilfen zum Lebensunterhalt angewiesen war. Zur Schau gehöre auch die Installation "62 cm Home" – eine nur 62 Zentimeter breite und 4,30 Meter lange Einraum-Wohnung – mit Bad, Küche, Arbeits- und Schlafgelegenheit – geschaffen in einem Gang der Stiftung.

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Unter dem Motto "Konstruieren statt Konsumieren" gehe es darum, anhand der Häuser und Ausstellung zu zeigen, wie mit Kreativität, einfachen Mitteln und vorhandenen Ressourcen funktional-ansprechende Räume und Einrichtungen entstehen können. Selbst etwas zu entwerfen, zu bauen und auch preiswert nachbauen zu können, diese Denkweise sei angelehnt auch an die Ideen des Bauhauses, wie Schmidt sagte. Der Architekt hatte im Vorjahr auf dem Bauhauscampus in Berlin für Aufsehen gesorgt mit seinen Ideen für Mini-Häuser und Einrichtungen. Das Wittenberger Ausstellungsprojekt in den früheren Wirkungsstätten der berühmten Malerfamilie Cranach dauert bis 27. Mai.