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Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

19.02.2016, 09:21

Berlin (dpa) - Bei der 66. Berlinale konkurrieren 18 Filme aus aller Welt um den Goldenen Bären. Die Deutsche Presse-Agentur schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.

- Inhebbek Hedi (engl. Titel Hedi) von Mohamed Ben Attia (Tunesien): Ergreifende Emanzipationsgeschichte eines jungen Mannes. PRO: Privates Drama, das zum facettenreichen Bild der tunesischen Gesellschaft wird. CONTRA: Die Nebenfiguren sind etwas klischeehaft gezeichnet.

- Midnight Special von Jeff Nichols (USA): Hollywoodstar Kirsten Dunst als Mutter eines mit übersinnlichen Kräften ausgestatteten achtjährigen Jungen. PRO: Interessanter Versuch, ein Familiendrama als Science-Fiction-Story zu erzählen. CONTRA: Zu viele Rätsel bleiben ungelöst.

- Boris sans Béatrice (übersetzt: Boris ohne Béatrice) von Denis Côté (Kanada): Ein erfolgreicher, arroganter Geschäftsmann steht vor der Herausforderung, seine depressive Frau wieder ins Leben zurückzuholen. PRO: Psychologische Studie eines Egomanen, die ein Schlaglicht auf eine übersättigte, bürgerliche Gesellschaft wirft. CONTRA: Die Botschaft wirkt sehr dick aufgetragen.

- Fuocoammare (übersetzt: Feuer auf See) von Gianfranco Rosi (Italien): Dokumentation über den Alltag auf der italienischen Insel Lampedusa, die seit Jahren Ziel Hunderttausender Bootsflüchtlinge ist. PRO: Mit Mut zur Radikalität blickt der Film auf das Flüchtlingselend und zwingt den Zuschauer genau hinzusehen. CONTRA: Für einen Dokumentarfilm wirken manche Szenen aus dem Alltag der italienischen Inselbewohner etwas inszeniert.

- L’avenir (übersetzt: Die Zukunft) von Mia Hansen-Løve (Frankreich): Isabelle Huppert als Philosophiedozentin, deren privates Leben von einer Katastrophe in die nächste schlittert. PRO: Porträt einer Frau, die alle Dinge mit kühlem Intellekt meistern will. CONTRA: Zu harmlos und beiläufig erzählt.

- Cartas da guerra (übersetzt: Briefe aus dem Krieg) von Ivo M. Ferreira (Portugal): Filmische Adaption der Briefe von António Lobo Antunes über seine Zeit als portugiesischer Kolonialsoldat in Angola in den 1970er Jahren. PRO: Künstlerisch originell reflektiert der Film, wie Krieg die Seelen der Menschen zerstört. CONTRA: Die sehr stilisierte Bildsprache und der artifizielle Umgang mit der Sprache dürfte dieses Werk zum Film für ein Nischen-Publikum machen.

- 24 Wochen von Anne Zohra Berrached (Deutschland): Julia Jentsch als schwangere Kabarettistin, die ein Kind mit Down-Syndrom und Herzfehler erwartet und über eine Abtreibung nachdenkt. PRO: Der Film plädiert auf mutige Weise für die Entscheidungsfreiheit der Frau. CONTRA: Die Hauptfigur wirkt teils recht hölzern und am Schluss wird dem Publikum mit einem überdeutlichen Finale das Nachdenken abgenommen.

- Quand on a 17 ans (übersetzt: Mit 17) von André Téchiné (Frankreich): Ein 17-Jähriger erlebt die erste Liebe mit einem Klassenkameraden. PRO: Feinfühlig erzählte Coming-Out-Story mit hervorragenden Darstellern. CONTRA: Über diesen sensiblen Film des französischen Regie-Altmeisters lässt sich nichts Negatives sagen.

- Smrt u Sarajevu/Mort à Sarajevo (übersetzt: Tod in Sarajevo) von Danis Tanovic (Bosnien und Herzegowina): In einem Hotel in Sarajevo spiegeln dramatische Episoden die Zerrissenheit eines Volkes mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Grauen der Kriegsmassaker in den 1990er Jahren. PRO: Der Film verschränkt geschickt Historie und Gegenwart, Politik und Privates. CONTRA: Wer sich mit der Geschichte Ex-Jugoslawiens nicht gut auskennt, kann manchmal nur schwer folgen.

- Jeder stirbt für sich allein von Vincent Perez (Schweiz): Verfilmung des Romans von Hans Fallada über ein Berliner Ehepaar, das Widerstand gegen die Nazis leistet. PRO: Schauspielstar Brendan Gleeson als stoischer Mann, der seine Überzeugung in die Tat umsetzt. CONTRA: Zu kulissenhafte Szenerie, zu hölzerne Figurenzeichnung.

- Chang Jiang Tu (engl. Titel Crosscurrent) von Yang Chao (China): Eine Reise über den Jangtse-Fluss auf den Spuren der chinesischen Vergangenheit und Gegenwart. PRO: Eine Flut poetischer Bilder versetzt den Zuschauer geradezu in Trance. CONTRA: Die überbordende Rätselhaftigkeit erschwert dem Zuschauer den Zugang dann doch sehr. 

- Soy Nero von Rafi Pitts (Iran/Großbritannien): Der junge Mexikaner Nero flüchtet in die USA und meldet sich freiwillig zum Militär, um eine Green Card zu bekommen. PRO: Spannend und mit starken Bildern erzählte Geschichte über die Hoffnung nach einem besseren Leben und den Preis, den manche Menschen dafür zahlen müssen. CONTRA: Etwas straffer inszeniert, hätte der Film noch eine größere Wirkung.

- Genius von Michael Grandage (Großbritannien): Colin Firth spielt den New Yorker Lektor Max Perkins, Entdecker des Schriftsteller-Genies Thomas Wolfe, dargestellt von Jude Law. PRO: Feinfühlig erzählte und wunderbar gespielte Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft. CONTRA: In eher konventionellem Stil gedreht.

- Zero Days von Alex Gibney (USA): Dokumentarfilm über den so genannten Cyber War - die von Geheimdiensten vorangetriebene weltweite Kriegsführung mit der Waffe Internet. PRO: Internet-Experten, Militärs und Geheimdienstler geben in der aufwendig recherchierten Doku erschreckende Fakten preis. CONTRA: Aufklärung pur, filmkünstlerisch weniger interessant.

- Die Kommune von Thomas Vinterberg (Dänemark): Ein Paar mit heranwachsender Tochter beschließt in den 1970er Jahren, eine Kommune zu gründen - ein Experiment mit ungewissem Ausgang. PRO: Mit grandiosen Darstellern erzählte Geschichte über das Scheitern einer Utopie. CONTRA: Stilistisch geht der Dogma-Filmer Vinterberg keine Experimente ein.

- A Lullaby to the Sorrowful Mystery (übersetzt etwa: Ein Wiegenlied für das schmerzhafte Geheimnis) von Lav Diaz (Philippinen): Acht Stunden langes, in Schwarz-Weiß gedrehtes Epos über den philippinischen Widerstand gegen die spanischen Kolonialherren im späten 19. Jahrhundert. PRO: Gefühlt in Echtzeit gedrehte, bis ins letzte Detail durchkomponierte Szenen über den Sinn von Krieg und Revolution. CONTRA: Wer sich mit der philippinischen Geschichte nicht auskennt, findet nur sehr schwer hinein in das oft rätselhafte Geschehen auf der Leinwand.

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