Theater der Altmark Stendal bringt die Komödie "Der Menschenfeind" auf die Bühne Beste Unterhaltung mit Rollentausch
Gute Unterhaltung bietet das Theater der Altmark Stendal mit der Komödie "Der Menschenfeind". Premiere des Stücks war am Sonntag.
Stendal l Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Bei der Hauptprobe zu "Der Menschenfeind" im Theater der Altmark verletzte sich der Darsteller der Titelfigur derart, dass die Premiere abgesagt werden musste und ein neuer Termin in weite Ferne rückte. Jan Kittmann, der für eine kleinere Rolle im Stück besetzt war, übernahm kurzerhand die Rolle seines Kollegen Florian Kleine und mit nur einer Woche Verspätung konnte am Sonntag die Komödie von Hans Magnus Enzensberger - nach Molière - in Stendal stattfinden.
Dabei durften die Zuschauer den Regisseur selbst auf der Bühne erleben. Andreas Janes sprang in Kittmanns ursprüngliche Rolle des Oronte. Wäre das Publikum nicht über diesen Rollentausch aufgeklärt worden, es hätte nichts bemerkt! Denn was das Publikum erlebte, war eine wunderbar stimmige Komödie mit acht Schauspielern und Schauspielerinnen, denen man die Freude am Spiel regelrecht anzumerken meinte und von denen ein jeder genau in die jeweilige Rolle passte.
Der umjubelte Dichter ist leidend und wütend zugleich
Allen voran Jan Kittmann als der misanthropische Alceste. Kittmann ist ganz der von der Welt enttäuschte Künstler, der sich so sehr von der Gesellschaft losmachen möchte und doch in ihr verstrickt ist. Der umjubelte Dichter ist leidend und wütend zugleich, angewidert von Heuchlerei und Intrigantentum. Kein gutes Wort hat er für seine Mitmenschen über und selbst sein guter Freund Philinte (Alexander Frank Zieglarski) wird von ihm beschimpft. Nur bei Célimène (Susanne Kreckel) macht er eine Ausnahme. Er liebt sie, obwohl sie doch eigentlich genau das tut, was er verabscheut: In ihrem Salon trifft sich die "Schickeria". Hier repräsentiert von den zwei Herzögen (Franz Lenski und Andreas Müller) und dem einflussreichen Oronte (Andreas Janes). Die drei Herren umschwärmen die Gastgeberin, die hemmungslos mit ihnen flirtet.
Die Eifersucht bringt Alceste fast um den Verstand, genau so wie das "Durchhecheln" von Personen, die nicht anwesend sind.
Philinte und Èliante (Frederike Duggen) scheinen eine kleine Ausnahme zu sein, ohne dass sie sich völlig außen vor bewegen. Sie beteiligen sich nur bis zu einem gewissen Punkt an den Lästereien und Klatschgeschichten. Dann gibt es da noch Arsinoe, eine "Freundin" von Célimène und Buhlerin um die Gunst des Künstlers. Diese zugeknöpfte Spießerin wähnt sich als etwas besseres, da sie nicht Célimènes lockeren Lebenswandel teilt.
Die Szene, in der die beiden Frauen sich unter dem Deckmäntelchen der Freundschaft - man meint es ja nur gut - Gemeinheiten an den Kopf werfen, ist nur eine von vielen sehr amüsanten Momenten. Die Rolle der Arsinoe und des Philinte sind die komischsten und mit Claudia Lüftenegger und Alexander Frank Zieglarski ideal besetzt. Hier können beide einmal mehr ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Susanne Kreckel und Jan Kittmann ebenso sehenswert als ungleiches Paar. Kreckel schafft den Spagat und verkörpert einerseits Oberflächlichkeit und andererseits ernsthafte - wenn auch versteckte - Gefühle.
Enzensberger hat seine Neu-Übersetzung des über 300-jährigen Molière-Stücks 1979 verfasst und in der sogenannten "besseren Gesellschaft" der damaligen Bundeshauptstadt Bonn angesiedelt.
Dramaturg Sascha Löschner hat diese Fassung nun noch einmal erfolgreich angepasst und sie ins heutige Berlin verlegt. Bühnenbildner Christopher Melching ist ein Bühnenbild gelungen, das keinerlei Umbauarbeiten nötig macht und das ein regelrechter "Hingucker" ist. Dabei besteht es eigentlich lediglich aus einigen beleuchteten Vorhängen.
Eine rundum gelungene Inszenierung, die 90 Minuten beste Unterhaltung garantiert.
Nächste Vorstellungen sind am 29. Oktober, 1. und 25. Dezember