Stoff für Schüler in Sachsen-Anhalt

Die kommentierte Neuausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ kann an Schulen in Sachsen-Anhalt im Unterricht behandelt werden.

Möglich sei ein Einsatz im Geschichtsunterricht oder aber in anderen Fächern, wie das Kultusministerium in Magdeburg mitteilte.

Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung entwickele bis zum Beginn des nächsten Schuljahres dazu Weiterbildungen für Lehrer. Dabei werde sich Sachsen-Anhalt mit den anderen Bundesländern abstimmen. (epd)

Tel Aviv/Kirjat Ono (dpa) l Der deutsch-israelische Historiker Moshe Zimmermann befürchtet keinen Missbrauch der kommentierten Neuausgabe von „Mein Kampf“ durch Rechtsradikale. Der emeritierte Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem hat bereits vor rund 20 Jahren an einer Übersetzung von Hitlers Buch auf Hebräisch mitgearbeitet.

Wie bewerten Israelis die Herausgabe der kommentierten Neuausgabe von „Mein Kampf“ in Deutschland?

Moshe Zimmermann: Die meisten Leute haben keine Ahnung, um was es eigentlich geht. Sie wissen nicht, dass das Buch nur in Deutschland verboten war. Sie wissen nur, dass alles, was mit Hitler zu tun hat, böse ist. Kurz vor dem 1. Januar haben die hiesigen Experten zum Thema Nationalsozialismus erklärt, dass das eine interne deutsche Sache ist und dass das Buch außerhalb Deutschlands überall erhältlich ist. Sie haben gesagt, dass die Urheberrechte der bayrischen Regierung nicht mehr existieren, dass das Buch aber nur als kommentierte Fassung herauskommt.

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Wie bewerten Sie die Neuausgabe?

Ich bin Wissenschaftler. Meine Ausgangsposition ist, man muss direkt mit den Dokumenten, mit den Quellen Kontakt haben. Tatsache ist, dass die Rechtsradikalen in Deutschland kaum etwas mit dem Text anfangen können – weil er nicht aktuell ist, weil er langweilig ist. Das bedeutet, dass die Gefahr nicht besteht, die man in der Öffentlichkeit aus Ignoranz erwartet. Man kann hier und dort Sätze aus dem Text benutzen, aber dann ist es egal, ob man sie aus „Mein Kampf“ oder aus anderen Texten von Hitler nimmt.

Sie haben für Ihre Studenten bereits vor 20 Jahren an einer Übersetzung von „Mein Kampf“ ins Hebräische mitgearbeitet. Wie waren damals die Reaktionen?

Wir haben ein Drittel, 250 Seiten, übersetzt und kommentiert. Die Studenten hatten damit keine Probleme. Probleme hatten die Politiker. Als Abgeordnete davon erfahren haben, haben sie bestürzt reagiert, ohne Verständnis, worum es geht. Der Tenor: Man dürfe „Mein Kampf“ nicht ins Hebräische, in die heilige Sprache, übersetzen. Der Erziehungsausschuss der Knesset wollte sich damit befassen. Das war das Ende der Debatte.