Berlin l Wer an Florida denkt, der hat automatisch Bilder des amerikanischen Sonnenstaates vor sich und weniger Reptiliengetier, von dem es nur so wimmelt in den elf Geschichten in Lauren Groffs Erzählband „Florida“. Und auch sonst gibt es keine edlen Häuser mit Swimmingpool, sondern eine alte Jagdhütte mitten im Nirgendwo, in der eine Frau mit ihren Söhnen die Ferien verbringt, und zwei Mädchen, die wie Grimms Hänsel und Gretel von ihrer Mutter auf einer einsamen Insel alleingelassen worden sind. Sie kämpfen gegen Hunger und Durst an, die sie mehr bedrohen als die Schlangen und der umherhuschende böse Mann.

Groff, die mit „Florida“ auf der Shortlist des National Book Award stand, zeigt uns ihre Heimat mit ihrer überbordenden Natur. Da breiten sich düsterer Sumpf aus und blutergussähnlich aussehende Hurrikans. Über den Geschichten wabert der Grusel, wenn es kreucht und fleucht, der Florida-Panther ums Haus schleicht und Reptilien miefen. Mittendrin Menschen, deren Seelenleben Groff seziert. Wunderbare Literatur – aber keine für Angsthasen.