Kiel (dpa) l Auf seine "alten Tage" wird Brösel modern. Seite für Seite digitalisiert "Werner"-Erfinder Rötger Feldmann derzeit seine Comics über den Motorrad-Freak aus Schleswig-Holstein. Nachlässigkeiten bei mancher Zeichnung oder dem Druck merzt der Comiczeichner mit der Maus am Rechner aus. "Ich will nicht irgendwann als Stümper abgestempelt werden", sagt Feldmann. An diesem Dienstag (17. März) wird der Norddeutsche 70 Jahre alt.

Seit mehr als 25 Jahren lebt Feldmann weitgehend zurückgezogen auf einem denkmalgeschützten Gutshof im "Outback von Schleswig-Holstein", wie er das kleine Dorf nennt. Allein sieben Motorräder stehen in einem umgebauten Kuhstall. Weitere sollen aber nicht dazukommen. "Wann fahr' ich denn schon mal Motorrad", sagt Brösel. Um Haus und Motorräder in Schwung zu halten, "habe ich bis an mein Lebensende zu tun und das reicht nicht mal aus".

70 Jahre Brösel, fast 40 Jahre Werner

Das Schrauben an den Maschinen, der Kampf mit der Obrigkeit und reichlich Bölkstoff ("Hau wech die Scheiße") sind sein Thema. 2018 erschien mit "Wat nu!?" der 13. und bislang letzte Comicband. Fünf Kinofilme über den deutschen Anti-Helden zogen insgesamt rund 14,5 Millionen Menschen in die Kinos. Dabei war der Zeichner selbst beruflich ein Spätstarter, jahrelang war er arbeitslos. Den ersten Band "Werner – Oder was?" veröffentlichte er erst 1981 im Alter von 31 Jahren.

"Eigentlich ist das so ein bisschen mein eigenes Leben, was sich in den Comics abspielt", sagt Feldmann. "Ich habe mir damals keine Gedanken um meine Zukunft gemacht, das war mir scheißegal." Er habe in den Tag hinein gelebt, sei viel Motorrad gefahren und "im Winter bei Freundinnen unter die Bettdecke gekrochen, wenn es zu kalt war". Lange bereits ist er sesshaft und seit mehr als 20 Jahren in zweiter Ehe mit Petra verheiratet. Sein Lebensmotto ist aber geblieben: "Irgendwie durch die Welt zu tanzen ist gesünder, als sich immer Sorgen zu machen."

Ruhe findet Feldmann in seinem Atelier. "Ich sitze hier in meiner Burg und alles ist stabil." Die Haare sind zwar kürzer und grauer, der Hang zu markanten Rundbrillen ist aber geblieben. "Ich bin immer noch fit", sagt Brösel und schenkt sich Tee nach. "Ich war neulich bei meinem Heilpraktiker. Der hat alles getestet und anschließend gesagt, ich bin 54 von der Kondition und der Power her."

Gut getan hat ihm die Revanche bei der Neuauflage des Rennens gegen den roten Porsche seines Freundes Holger Henze im Sommer 2018 auf einem kleinen Flugplatz in Hartenholm. "Es hat mich schon beruhigt, dass dieses Motorrad jetzt auch wirklich Red-Porsche-Killer heißen darf", sagt er. 30 Jahre zuvor war Feldmann beim legendären "Werner"-Rennen an gleicher Stelle wegen eines Schaltfehlers noch unterlegen – mehr als 250 000 Menschen sollen damals dabei gewesen sein.

Zunächst hatte Brösel Cartoons für ein Kieler Stadtmagazin gezeichnet. "Was soll dieser Scheiß, hat Holgi immer gesagt, mach' mal was Politisches", erinnert sich Feldmann. "Holgi hat immer an mich geglaubt." So entstand auf dessen Bestreben die Anarcho-Familie "Die Bakuninis", die im Satire-Magazin "Pardon" ihr Unwesen trieb. Aber mehr Spaß hatte Brösel damit, "Werner"-Geschichten auf Papier zu bannen - ein putziges Kerlchen mit markanter Nase und zwei großen Zähnen – die zunächst von einem Freund im Eigenverlag herausgegeben wurden.

Feldmanns größter Comicerfolg war "Werner - Eiskalt" von 1985, das von dem Rennen erzählt. "Das haben sie 700 000 Mal verkauft, dabei weiß ich eigentlich gar nicht warum", sagt Brösel. Letztlich unterhielten sich darin doch nur "ein paar besoffene Typen über Hubraum".

Neben der Digitalisierung alter Werke denkt Feldmann an einen neuen "Werner"-Comicband und unterstützt ein Volksbegehren zum Schutz des Wassers: "Demonstrieren gehe ich nicht, aber ich halte meine Fresse in die Öffentlichkeit dafür."

Seine Werke entstehen immer noch mit Bleistift. "Alle meine Zeichnungen sind auf Papier gezeichnet und eingescannt", sagt Brösel. Eine große Feier wird es zum 70. nicht geben. "Wir verkrümeln uns irgendwohin an die Ostsee", sagt Petra. Außerdem plant das Paar die Eröffnung einer Galerie – "Werners Kultschuppen".

Er soll 2021 in einem Gebäude auf seinem Hof entstehen, "in dem einstmals Schweineseelen ihr Dasein fristeten. Wenn die Bürokratie das zulässt", sagt Brösel. Ein Museum werde das aber nicht. "Denn da ist ein bisschen das Wort Mausoleum drin, das mag ich nicht leiden."