Premiere für das Programm "Das dicke Ende kommt zuerst" mit den "Kugelblitzen" Demenz-Motette und die Ehe der Wulffs
Die "Kugelblitze" bleiben sich und ihrer Stilistik treu - mit dem neuen Programm "Das dicke Ende kommt zuerst" bieten sie eine Mixtur aus Kabarett, Komödie, Klamauk und Comedy. Bei der Premiere am Dienstag in der Magdeburger Zwickmühle gab es viel Schlussapplaus.
Magdeburg l Das übergreifende Thema ist die "Überalterung" der Deutschen mit allen möglichen Konsequenzen. Sehr schön zusammengefasst in dem Satz "Unser Land ist voller Alter, die sich jung fühlen und voller Junger, die sich alt fühlen."
Sabine Münz, Lars Johansen und Ernst-Ulrich Kreschel laden ihr Publikum gewissermaßen zu einer Demenz-Party ein, in der verschiedene Spielarten altersbedingter Verhaltensweisen zelebriert werden. Wenn Johansen beispielsweise schildert, wie eine alte Frau am Fahrkartenautomaten der Bahn zum großen Amüsement der umstehenden Fahrgäste Geld abheben will, kommt eine tragikomische Variante ins Spiel, die Szenenapplaus provoziert.
Nett anzusehen ist auch eine Szene, in der Johansen und Münz ein rockiges Rentnerpaar spielen, das eine Kalaschnikow im Keller und Hendrix-Platten im Schrank hat. Mit Grauhaar-Perücke und Leder-Outfit fordern sie Kiffer- statt Kaffeefahrten und wollen endlich eine werberelevante Zielgruppe sein. In solchen Momenten können die Protagonisten ihr komödiantisches Talent überzeugend auf die Bühne bringen. Besonders gilt dies jedoch für ein wahrhaft köstliches Drama in drei Akten, bei dem beide in die Rollen von Bettina und Christian Wulff schlüpfen. In sehr schön überzogen theatraler Manier spielen sie den Liebes- und Leidensweg des präsidialen Paares. An dieser Stelle Pointen zu verraten, hieße potenziellen Zuschauern ein Stück Vergnügen zu nehmen.
Halten kann das Programm diesen Unterhaltungs-Standard zwar nicht durchgängig, aber das ist für regelmäßige Besucher von "Kugelblitz"-Programmen nichts Neues. Ein wenig überstrapaziert wirken beispielsweise die häufigen Anspielungen auf Johansens Körperfülle, hier hätte der Regisseur Lutz von Rosenberg Lipinsky ein wenig kürzen können.
Mehr larmoyant als komisch wirkt ein Lied, bei dem Ernst-Ulrich Kreschel besingt, warum alte Männer junge Frauen mögen. Sehr gelungen hingegen ist ein Running Gag, bei dem Kreschel regelmäßige Regieanweisungen von seinem Smartphone bekommt, weil er sich nicht merken kann, ob er auf der Bühne bleiben soll oder nicht.
Vom Publikum immer wieder gern genommen wird er auch in seiner Rolle als gummigestiefelter Bauer mit einer Vorliebe für Alkohol. Kreschels Monolog über das philosophische und physikalische Nichts - gespickt mit Beispielen ehelichen Erlebens - findet die fast ungeteilte Zustimmung der Premierengäste. Gleiches gilt für die "Demenz-Motette", bei der alle drei Akteure in die Rollen von Rentnern schlüpfen, die nur anscheinend miteinander, tatsächlich aber aneinander völlig vorbeireden, weil keiner mehr dem anderen folgen kann.
Die Vergesslichkeit dominiert das Programm, aber die Autoren Johansen und Kreschel belassen es nicht dabei. Politisch-satirisch wird es, wenn Sabine Münz als Angela Merkel einen Dialog mit Sokrates über den Euro-Rettungsschirm führt und Johansen über Probleme monologisiert, die beim Aufbewahren und Schreddern von Geheimdienstakten über Rechtsradikale entstehen.
Alles in allem ist "Das dicke Ende kommt zuerst" ein Programm, das in erster Linie Lachen und Schmunzeln provoziert und ein gelegentliches Stirnrunzeln nicht ausschließt. Von dem für politische Satire typischen Aha-Effekt könnte es allerdings ein bisschen mehr sein.