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Deutsche Zeitung in Namibia Die letzte ihrer Art

03.08.2015, 15:32

Windhuk (dpa) l Am Südwestzipfel Afrikas erscheint die letzte deutsche Tageszeitung außerhalb Europas. Das Team der namibischen "Allgemeinen Zeitung" ist ein bisschen wie das letzte gallische Dorf, wie Chefredakteur Stefan Fischer scherzt. Obwohl die Zahl der Deutschsprachigen in Namibia beständig zurückgeht, gibt die Redaktion nicht auf und produziert von Montag bis Freitag eine 12-seitige Lokalzeitung.

Die "AZ" wurde kurz nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia gegründet - nächstes Jahr steht das hundertjährige Jubiläum an. "Die \'AZ` ist keine deutsche Zeitung in Namibia, die \'AZ` ist eine namibische Zeitung auf Deutsch", betont Fischer. Die Themen reichen von bedrohten Vogelarten oder Problemen bei der Stromversorgung bis hin zu in der Wüste gefundenen Geparden-Babys.

Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den übrigen vier Tageszeitungen des Landes, die auf Englisch und Afrikaans erscheinen, ist die ausführliche Berichterstattung über deutschen Sport. "Wir sind am Montag die einzige Zeitung in Namibia mit Bundesliga-Ergebnissen", sagt Fischer. "Das wollen unsere Leser." Die Auflage der "AZ" liegt bei 4000 Stück pro Tag. Das ist selbst in Namibia mit nur 2,1 Millionen Einwohnern wenig. Fischer zufolge ist die Zeitung jedoch profitabel. Die "AZ" kann höhere Anzeigenpreise verlangen, da sie fast jeden deutschsprachigen Haushalt in Namibia erreicht. Und die schätzungsweise bis zu 14 000 Deutschen stehen in Namibia in der Einkommenspyramide ganz oben.

Chefredakteur kommt aus Cottbus

Der aus Cottbus stammende Fischer arbeitete nach der Wende zunächst zehn Jahre bei der Regionalzeitung "Der Märkische Bote" in Brandenburg. 2001 packte er seine Sachen, zunächst nur, um ein Jahr bei der "AZ" zu arbeiten. Inzwischen ist der 45-Jährige in Namibia verheiratet und hat zwei Kinder.

Die "AZ"-Redakteure - drei Deutsche und sechs deutschsprachige Namibier - konzentrieren sich voll auf das lokale Geschehen, für den Rest gibt es Agenturmeldungen. "Es gibt nur sehr wenig Interesse daran, was in Deutschland passiert. Das ist weit weg - geografisch und auch in den Köpfen", sagt Fischer. "Die Einführung der Autobahnmaut interessiert hier keinen."