"DIE WAHRE GESCHICHTE VON KING KONG" EINE KAMMEROPER MIT PUPPEN
"Die wahre Geschichte von King Kong" heißt eine Kammeroper, die derzeit auf dem Spielplan des Theaters Magdeburg steht. Ein Gespräch mit der Regisseurin über den ungewöhnlichen Helden.
Vor wenigen Tagen hatte "Die wahre Geschichte von King Kong" von Jeffrey Ching im Schauspielhaus in Magdeburg Premiere. Im Biber-Interview spricht die Regisseurin und Librettistin Roscha A. Säidow über die Uraufführung dieser Kammeroper, in der Puppen eine besondere Rolle spielen.
Roscha A. Säidow: King Kong ist ein popkultureller Held, dessen Geschichte die Tragweite eines antiken Mythos hat. Seit seiner "Geburt" 1933 auf der Filmleinwand hat die Figur verschiedenste Interpretationen erfahren, man hat sich ihr mit unterschiedlichen Herangehensweisen genähert. Diese Vielschichtigkeit funktioniert in einer Oper sehr gut.
Roscha A. Säidow: Wir nutzen den Filmplot als lose Grundlage, als eine mögliche Interpretation des wirklichen Geschehens um Kong. Als Rahmen für die unterschiedlichen Sichtweisen dient eine Gerichtsverhandlung, in der eine Jury ein Urteil über die Schuldigen an Kongs Tod treffen soll. Die Geister der Vergangenheit werden beschworen und von einem Richter befragt, so zum Beispiel Regisseur Denham und Starlet Ann.
Roscha A. Säidow: Ja, als zweite Frauenfigur und Gegenpart von Ann habe ich Miranda entwickelt, eine Einheimische von Kongs Insel Skull Island, die in der dort herrschenden Kultur als Kongs zukünftige Frau und Dschungelkönigin erzogen worden ist. Anns Auftauchen und ihre Verbindung zu Kong zerstört Mirandas gesamte Lebensplanung. Hinzu kommt ihr Bruder, der als Kellner in dem touristischen Etablissement arbeitet, in dem Ann und Denham auf der Insel untergekommen sind.
Roscha A. Säidow: King Kong ist ein Unterhaltungsstoff, der politisch zu lesen ist. So wurde der Film - der ja die tragische Liebesgeschichte zwischen dem Hollywood-Starlet Ann und dem Riesenaffen Kong erzählt - 1933 in Deutschland "als Angriff auf die Nervenkraft des deutschen Volkes" zunächst nicht freigegeben. King Kong ist ein tragischer Held, den die Popkultur immer und immer wieder aufgreift. Mich haben die psychologischen Vorgänge, die dahinter stecken, fasziniert und zudem das immens politische Geschehen menschlich verstehbar zu gestalten - für Menschen des 21. Jahrhunderts mit all den Aspekten, die wir heute in dem Stoff wiederfinden: Interkulturalität, Gender, Imperialismus.
Roscha A. Säidow: Ich denke schon, auch wenn der Unterschied schwer zu fassen ist. Ich versuche in meinen Arbeiten immer davon auszugehen, welche Themen mich interessieren und mit welchen theatralen Mitteln ich diese bearbeiten kann, welche Erzählebenen die Fragestellung unterfüttern sollen. Diese Arbeitsweise kommt dem Figurentheater sehr entgegen, weil hier jeder Inszenierung eine grundsätzliche Reflexion über die Mittel vorangehen muss - über Puppenformen, Materialien usw. Das Figurentheater hat also in gewisser Weise einen höheren Grad der Abstraktion. Neben der Sänger-, Musiker- und Figurenebene wird in unserer Inszenierung auch die Publikumsebene miteinbezogen, die Zuschauer werden zu Komplizen, werden geradezu in das Netz der Handlung verwickelt.
Roscha A. Säidow: Tatsächlich verbindet das Medium Video alle Ebenen. Das ist nicht nur als Hommage an "King Kong" als den ersten Animationsfilm der Filmgeschichte gedacht. Vielmehr gibt es uns die Möglichkeit, schnell zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen den Zeugen vor Gericht und ihren persönlichen Wahrheiten hin- und herzuwechseln. Aber auch die Musik hilft sehr. Denn sie gibt eine Struktur, einen festen formalen Ablauf vor, in dem das Denken frei werden kann.
Infos und Tickets online unter www.theater-magdeburg.de.