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Jubiläum des Literaturhauses Magdeburg Domhardt: "Wir feiern eine Wiedergeburt"

28.06.2011, 04:37

Von Grit Warnat

Magdeburg. Es war ein bescheidenes Mietshaus, das Gebäude in der Thiemstraße 7 im Magdeburger Stadtteil Buckau, in dem Erich Weinert am 4. August 1890 geboren wurde. Seit 1990 ist dort das Literaturhaus Magdeburg zu Hause. Ein Förderverein kümmerte sich anfangs um die Belebung des Hauses, aus ihm ging der Trägerverein des Literaturhauses hervor, dessen Mitglieder im Februar 2004 beschlossen hatten, die Einrichtung von der Stadt zu übernehmen – im sanierten Zustand. "Anders hätten wir das nicht stemmen können", sagt Wolfgang Domhardt, der seit jener Zeit Vorsitzender des Literaturhaus Magdeburg e.V. ist.

Seit genau fünf Jahren ist das Haus saniert. Grund zum Feiern für den Verein, der am morgigen Mittwoch ab 18 Uhr zu einem kleinen Empfang lädt. Ausklingen wird der Abend mit "I cari Sassoni", dem aktuellen Tourprogramm des Amadeuskomplotts. "Wir feiern eine Wiedergeburt", sagt Domhardt. 1,2 Millioenen Euro wurden damals von Land, Stadt und aus EU-Mitteln verbaut.

Seitdem hat das Literaturhaus einen repräsentativen Raum für Lesungen, Ausstellungen, Vorträge, Gesprächsrunden. Die oberen Etagen sind Heimatort für insgesamt zehn Vereine, deren Arbeit sich zum großen Teil um Literatur und das literarische Leben in Magdeburg und der Region dreht. Hier treffen sich Erwachsene und Kinder in Schreibwerkstätten, hier werden selbst verfasste Texte gelesen, gehört und analysiert. Dauerausstellungen erinnern an Georg Kaiser und Erich Weinert.

Kleinteilig wie ein Wohnhaus ist das Gebäude geblieben. Veranstaltungen, zu denen mehr als 70, 80 Besucher erwartet werden, müssen deshalb verlegt werden – in den Moritzhof, die Stadtbibliothek, die Feuerwache oder das Forum Gestaltung. Im Moritzhof zum Beispiel fand 2007 eine der ersten größeren Veranstaltungen statt. Hardy Krüger war damals zu Gast, das Haus ausverkauft. Lesungen mit Schauspielern wie Hilmar Thate, Jutta Hoffmann oder Michael Mendl, so sagt Domhardt, seien immer gut besucht.

Zum Großteil der Lesungen mit Liedermachern und Schriftstellern allerdings wird in das Literaturhaus geladen. Juli Zeh war hier, Monika Maron, Hans Eckardt Wenzel, Erich Hackl, Landolf Scherzer, Alexander Osang, John von Düffel, Christoph Hein. "Auch bei Autoren aus der Region haben wir immer öfter ein ausverkauftes Haus", freut sich Domhardt über die gewachsene Resonanz und nennt Lesungen über Ronald M. Schernikau oder mit dem Magdeburger Schriftsteller und Lyriker Torsten Olle. "Wir wollen Leselust entfachen", sagt Domhardt. 12000 Besucher hat das Literaturhaus jährlich. Vor der Sanierung waren es 10000.