Ehren-Oscar: Spike Lee vermisst Schwarze in Hollywood
Schwarze Schauspieler gibt es einige in Hollywood, aber schwarze Produzenten? Schwarze Autoren? Schwarze Regisseure? Einer hat jetzt einen Ehren-Oscar bekommen - und die Branche heftig kritisiert.
Los Angeles (dpa) - Der Regisseur Spike Lee (58) beklagt eine Unterrepräsentanz von Schwarzen in Hollywood.
Wahrscheinlich jeder hier hat Obama gewählt. Aber wenn ich in die Büros gehe, sehe ich da keine Schwarzen, nur den Bruder am Eingang, der meinen Namen von der Liste abstreicht, wenn ich ins Studio gehe, sagte der Filmemacher (Malcolm X) am Samstagabend in Los Angeles bei den Governors Awards (Ehren-Oscars). Wir brauchen eine ernsthafte Diskussion über Vielfalt und wir müssen da auf den Punkt kommen. Diese Branche ist so weit hinter dem Sport zurück, dass es lächerlich ist.
Lee sagte weiter: Es ist einfacher, als Schwarzer Präsident der USA als Präsident eines Studios zu werden. Er sprach zu Vertretern der Filmindustrie, als er einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk entgegennahm. Zweimal war er bereits für einen Oscar nominiert, mit Do the Right Thing in der Sparte Drehbuch und mit dem Dokumentarfilm 4 Little Girls. Die Vergabe der Ehren-Oscars wurde 2009 erstmals von der normalen Oscar-Show im Februar abgekoppelt.
Auch die Schauspielerinnen Gena Rowlands (85) und Debbie Reynolds (83) wurden geehrt. Die Hollywood-Veteranin Rowlands wirkte in mehr als 40 Spielfilmen mit, darunter Eine Frau unter Einfluss Gloria, die Gangsterbraut und Wie ein einziger Tag. Sie hatte zweimal Chancen, den Oscar als beste Schauspielerin zu gewinnen, ging aber jeweils leer aus.
Reynolds, die 1951 mit dem Hit-Musical Singin’ in the Rain bekanntwurde und mit Tammy und Goldgräber-Molly weitere Erfolge feierte, engagiert sich in einer Stiftung, die psychisch Kranke unterstützt. Sie war 1965 als Goldgräber-Molly für den Schauspiel-Oscar nominiert, verlor aber gegen Julie Andrews (Mary Poppins).
Im vergangenen Jahr waren der französische Drehbuchautor Jean-Claude Carrière (83), der Musiker Harry Belafonte (88) und die irisch-amerikanische Schauspielerin Maureen O'Hara (95) geehrt worden. O'Hara starb vor drei Wochen.