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Kabarett Ein Einheits-Streifzug

Kabarettisten haben jede Menge Freiraum. Nicht nur bei Themen und im Umgang mit Worten. Auch kalendarisch.

Von Grit Warnat 22.07.2020, 12:43

Magdeburg l Satiriker Hans-Günther Pölitz von der „Magdeburger Zwickmühle“ verschiebt in seinem Programm „Augen auf und durch!“ – Start ist am 31. Juli – schon mal den Tag der Deutschen Einheit um einige Wochen zeitlich nach vorn. Um schon eher feiern zu können? Er schmunzelt. „Der 3. Oktober ist eigentlich ein Tag der Willkür“, sagt er. „Weil dieses Datum willkürlich festgelegt wurde.“

Der Tag der Einheit, so meint er dann, müsste jener der Währungsunion sein. Denn Geld regiere die Welt. Der 1. Juli 1990 ging als Währungsunion in die deutsche Geschichte ein. Die D-Mark kam in den Osten. Drei Monate später folgte die politische Einheit. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sprach von einer ökonomischen Antwort „auf ungewöhnliche, ja revolutionäre Ereignisse“. Im Hinterkopf hatte er die Bundestagswahl.

Pölitz will nicht nur an diese Anfänge erinnern. Er hat sich Gedanken gemacht zu 30 Jahren deutsche Einheit und möchte mit seinem 90-minütigen Programm so manches aufspießen, was hängengeblieben und was vergessen ist. Oder was sich kaum geändert hat. 1992, so erinnert sich der Kabarettist, sei es in einem Programm bereits um Probleme mit dem aufkommenden Rechtsextremismus gegangen. 1:1 könnten die schon damals gefundenen Worte übernommen werden.

Er selbst nennt „Augen auf und durch!“ eine politisch-satirische Collage. Die Inhalte? Hoffnungen, Ereignisse, Träume, Wünsche. So manches habe sich von selbst zerschlagen, sagt Pölitz. Eine weinerliche Geschichte also? Der Zwickmüller verneint sofort. „Wenn jemand über den Tisch gezogen wird, ist immer einer da, der zieht, und einer, der sich ziehen lässt.“

Pölitz musste für seinen Streifzug durch drei Jahrzehnte erst sondieren, dann aufgrund der Materialfülle streichen. Den Abend bestreitet er alleine. „Zugeschaltet“ aber werden mit Kerstin Müller-Schult und Matthias Rümmler zwei „alte“ Bekannte. Eingefleischte Kabarett-Fans werden sich noch auf das jahrelang gemeinsam auf der Magdeburger Bühne agierende Trio Pölitz/Rümmler/Müller-Schult erinnern. Müller-Schult zog es 1999 in die Schweiz, Rümmler wenig später zur „Herkuleskeule“ nach Dresden. Jetzt werden die beiden Kabarettisten mit Videobildern von einst zu Zeitzeugen.

Die ersten vier Aufführungen im Sommerspielplan waren schnell ausverkauft. Eine Zusatzaufführung gibt es am 22. August, zudem Termine in der neuen Spielzeit: 25. und 30. September, 1. und 16. Oktober. Den 3. Oktober hat Pölitz als „Tag der Willkür“ ausgeklammert.

Karten gibt es in der „Magdeburger Zwickmühle“, Telefon 0391/5414426.