Bernhard Heisig starb im Alter von 86 Jahren Ein "eitler Perfektionist", der seine Bilder nicht erklären wollte
Ans Aufhören dachte der gefeierte wie umstrittene Maler und Altmeister der sogenannten Leipziger Schule nie. "Ich brauche das Malen zum Leben", betonte er. Am Freitag starb der bedeutende Vertreter der DDR-Kunst in seinem Wohnort Strodehne an der Havel in Brandenburg. Heisig, der bereits zwei Schlaganfälle erlitten hatte, sei an den Folgen gestorben, sagte sein Galerist Rainer Ebert.
Von Nadine Emmerich
Berlin (dapd). Die Galerie Berlin präsentiert aktuell acht Bilder des Künstlers, die er noch 2010 und 2011 gemalt hatte. Im Deutschen Bundestag wurde im vergangenen Dezember die Schau "Bernhard Heisig - Das große Welttheater" eröffnet, im Februar stellte seine Ehefrau Gudrun Brüne, ebenfalls Malerin, in der Galerie Berlin ihre Werke aus. Beide Male war Heisig, der nach einem Sturz und einer Beckenoperation im Rollstuhl saß, noch dabei. "Da ging es ihm den Umständen entsprechend gut", sagte Ebert.
Immer befasste sich Heisig auch mit mehreren Werken gleichzeitig. Nie war ein Bild bei ihm fertig. Das machte ihn zum Schrecken für Museumsdirektoren: In Ausstellungen holte er schon Farbe und Pinsel heraus und besserte seine Werke nach. Seine Frau und ehemalige Schülerin nannte ihn daher scherzhaft mal einen "eitlen Perfektionisten".
Keine friedlichen und fröhlichen Bilder
Heisig, der zu den wichtigsten zeitgenössischen Malern und Grafikern gehörte, wurde am 31. März 1925 in Breslau geboren. Mit 17 ging er zu Hitlers Waffen-SS, mit 46 verlieh ihm Erich Honecker den Nationalpreis, als Ostdeutscher malte er den westdeutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).
Untrennbar verbunden war sein Name mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, dessen Rektor er zweimal war. 1987 gab er dieses Amt ab, 1991 auch sein Lehramt, ein Jahr später zog er sich ins Havelland zurück. Im Juli 2010 erhielt er den Kunstpreis des Brandenburgischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk.
Eine große Retrospektive seiner Bilder war 2005 in der Ausstellung "Die Wut der Bilder" in Leipzig, Düsseldorf und Berlin zu sehen. Dort hingen Werke wie "Festung Breslau - Die Stadt und ihre Mörder" und "Unterm Hakenkreuz". Heisig malte figürlich und farbintensiv. Seine großen Themen waren der Krieg und die eigenen Kriegserlebnisse, gegen die er Zeit seines Lebens seine Wut richtete. Und das war gut so, denn er brauchte sie zum Arbeiten. "Ich kann keine friedlichen und fröhlichen Bilder malen", sagte Heisig, für den Malerei "kein Raumschmuck" war.
Kritik am künstlerischen Nachwuchs
Im Atelier hinter seinem Wohnhaus hing ein Stahlhelm, den er in einem Dorfteich gefunden hatte. In der Ecke standen zwei historische französische Gewehre. "Das sind meine Requisiten", sagte der Schlachtenmaler. Die brauchte er für seine Bilder.
Viel reden wollte er über seine Werke aber nie. "Bilder kann man nicht erklären", sagte er. Auch über Ideen, die ihm eher spontan kamen, sprach er nicht gern - "dann mache ich es nicht mehr".
Obwohl er im Alter selbst betonte, er sei ruhiger geworden - ein wenig brummig wirkte der Mann schon. "Ich arbeite an meinem Ruf, ein unerträglicher Mensch zu sein." Zudem sei er ein alter Mann: "Da werde ich doch mal brummeln dürfen."
So zeigte er sich auch ganz offen uninteressiert für die Arbeit der nachfolgenden Künstlergeneration. "Es interessiert mich nicht mehr, was in Leipzig passiert", sagte Heisig. Der Begriff Leipziger Schule werde heute "für den Markt benutzt". "Ich will mich nicht stören lassen von so etwas, ich will meine Arbeit fertig machen."
Zu den wichtigsten Vertretern der Leipziger Schule zählten neben Heisig auch die bereits 2004 verstorbenen Künstler Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer. Alle drei studierten an der Leipziger Kunstakademie, der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst. Dort wirkten sie als Lehrer und prägten eine ganze Generation von Malern und Grafikern. Erst durch die Leipziger Schule wurde die Stadt zum wichtigen Zentrum der Malerei.