Bernd Kurt Goetz zeigt sein fünftes Soloprogramm "Deutschland etwas zurückgeben" im Magdeburger Kabarett "... nach Hengstmanns" Ein hilfreicher Schluck kräftiger Goetzen-Medizin
Magdeburg l Wenn der Kabarettist Bernd Kurt Goetz "Deutschland etwas zurückgeben" will - so der Titel des neuen Soloprogramms mit dem Untertitel "Goetzenbilder 2013" im Magdeburger Kabarett "... nach Hengstmanns" - dann kann man sich auf was gefasst machen.
Am 9. Januar ist Premiere für das fünfte Soloprogramm des Kabarettisten und Philosophen, der nicht nur zurückgeben, sondern auch einiges verlangen wird. Gestern hat er es in einem Pressegespräch vorgestellt.
Genaues Hinhören auf sprachlich-intellektuelle "Untiefen" vor der "Insel der Glückseligen" beispielsweise. Als solche sieht er Deutschland, bereichert durch ostdeutsche Schiffbrüchige, die jauchzend die Gestade der marktwirtschaftlichen Segnungen des Eilands erreichten.
Doch Vorsicht: Wenn Bernd Kurt Goetz überschwänglich lobt, dann kippt das Ganze schnell in Absurdität. Das geschieht fast unmerklich, indem der Künstler mit Worten auf einen Weg lockt, der sich am Ende als Sackgasse erweist und auch noch einen tiefen Abgrund verbirgt.
Das ist nicht jedermanns Sache, aber Bernd Kurt Goetz spielt auch nicht für jedermann. Er verbiegt das Programm nicht für den Publikumsgeschmack, will unterhalten und zum Nachdenken anregen.
Kabarettist spielt Gelassenen, einen positiv Gestimmten
Immer und überall ist Unzufriedenheit zu spüren. Damit muss Schluss sein, meint Bernd Kurt Goetz und erinnert an Schriften seiner Kindheit wie dem "Freudenspiel", bei dem einem Kind einer sehr armen Familie mangels anderer Geschenke eine Krücke mit der Anmerkung überreicht wird, darüber glücklich zu sein, sie nicht zu benötigen. Dieses Beispiel bringt den Inhalt seiner Texte auf den Punkt. "Ich bin kein Kabarettist, der den flinken Witz bedient", meint er selbst dazu. Wer sich auf "Goetzenbilder 2013" einlässt, der erlebt keinen zornig-philosophischen Künstler, der sich an der Unzulänglichkeit der Gesellschaft aufreibt, sondern einen Gelassenen, positiv Gestimmten, der Hoffnungslosigkeit erhaben lächelnd mit Ironie vernichtet. Eine neue Qualität.
Einfach wird dieses Programm nicht, aber sehens- und hörenswert bestimmt. Eigentlich weiß man: Ewig trunken machende Glückseligkeit ist kaum zu ertragen. Da ist hier und da ein kleiner kritischer Stachel wahre Goetzen-Medizin.
Weitere Vorstellungen: 10., 11., 12. Januar