Ein seltener Rolle-Abend im Gartensaal
Von Hans Walter
Magdeburg l Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt leistet sich ein kleines, feines und weit und breit einzigartiges Festival: das "Magdeburgische Concert". Den Auftakt gab "Die Befreiung Israels", ein vor 126 Jahren letztmalig aufgeführtes musikalisches Drama von Johann Heinrich Rolle (1716-1785). Lange vor den Gewandhaus-Konzerten begründete er in Magdeburg die Bürgerkonzerte im Seidenkramer-Innungshaus. Ein um Magdeburgs Geistesleben sehr verdienstvoller Mann.
Rolles Crux: Seine wundervolle Tonsprache (und die wenigen Rolle-CDs) kennen heute viel zu wenige Menschen. Aus dem Grund wohl strebten nur knapp 50 Besucher am Freitag in den Gartensaal des Gesellschaftshauses. Jammerschade. 40 Mitwirkende - das Chemnitzer Barockensemble auf historischen Instrumenten, das Vokalconsort labia vocalis, die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto (Zipora), die Altistin Annekathrin Laabs (Mirjam), der Tenor Tobias Hunger (Josua) und Bassist Johannes G. Schmidt (Moses) - gestalteten unter der Gesamtleitung des international renommierten Sebastian Knebel ein großartiges Konzerterlebnis vom Auszug des Volkes Moses\' aus Ägypten. Das dramatische Geschehen fand seine Entsprechung in bewegten Rezitativen und Arien voller Dramatik und vor allem in den Chören mit lautmalerischen Klängen und grandiosen Steigerungen des Orchesters und aller Sänger bis zum triumphalen Schlusshymnus "Der Herr ist König".
Die gediegene wissenschaftliche Begleitung - unter anderem durch ein zwölfseitiges Programmheft von Ralph-Jürgen Reipsch und Carsten Gerth zu Leben und Wirkungen Rolles - erreicht zugleich nachhaltige Wirkung: Das Werk kann nun dank einer Noten-Neuedition auch von anderen Kantoreien aufgeführt werden, um Johann Heinrich Rolle jene Rolle zu geben, die ihm musikalisch gebührt.