Verein zeigt Johann Peter Hinz im Halberstädter Burchardi-Kloster

Ein Suchender, der immer wieder metallene Materialien neu erprobt

Von Jörg-Heiko Bruns 31.08.2012, 03:29

In der Burchardikirche von Halberstadt können Besucher nicht nur das John-Cage-Orgelstück "As Slow As Possible" erleben. Einem der Initiatoren des Cages-Projektes, dem Metallgestalter Johann Peter Hinz, ist im Herrenhaus des Klosters eine Ausstellung gewidmet.

Halberstadt l Hat der Besucher den Weg zum Burchardi-Kloster gefunden, wird er auf dem Hofgelände nicht nur von dem beeindruckenden Kirchenbau, sondern sogleich auch von einem plastischen Ensemble empfangen, das aus fünf rostbraunen Stahlstelen besteht, deren größte sechs Meter in die Höhe ragt. Es ist die Arbeit "Brüche der Geschichte", die der Halberstädter Künstler Johann Peter Hinz (1941-2007) für die Expo 2000 in Hannover schuf. Seit deren Ende fand sie ihren Platz in Halberstadt. Scheinbar instabil wachsen die Stelen der Geschichte immer weiter und streben beeindruckend nach oben.

Politisch engagierter Künstler

Johann Peter Hinz war nicht nur leidenschaftlicher Künstler, ebenso leidenschaftlich mischte er sich als Mitbegründer des "Neues Forums" in die Politik ein, war bis 1999 Vorsitzender des Halberstädter Stadtrates und hat viele Ideen zum Wohle seiner Stadt, deren Ehrenbürger er ist, in die Tat umsetzen können. Kaum einer wusste so klug mit den tatsächlichen Brüchen der Geschichte umzugehen wie der Künstler und Ratsherr Johann Peter Hinz.

Leihgaben aus mehreren Einrichtungen

Im Herrenhaus des Klostergeländes, in dem auch die John-Cages-Orgel-Stiftung ihren Sitz hat, haben Freunde des vor fünf Jahren verstorbenen Künstlers eine Ausstellung eingerichtet. Leihgaben aus Institutionen unter anderem der Stadt Halberstadt, dem Kunstmuseum Magdeburg, dem Kunstverein Wernigerode und von vielen Freunden und Sammlern des Künstlers kamen zusammen. Der eigens gegründete "Förderverein Kunstausstellung Johann Peter Hinz e.V." ist sich der Unvollkommenheit der Ausstellung bewusst und setzt dennoch auf den Zufall (so wie es auch John Cages tut) und seine Wirkung, der diese Werke aus Sammlungen zusammenführt. Darunter sind Schlüsselwerke wie "Gehenktes Tier" von 1984 oder "Gefallenes Tier" von 1986 von Hinz zu finden.

In Kolberg geboren, verschlug es die Familie Hinz nach Halberstadt, wo Johann Peter Hinz dann auch seine Schulzeit bis 1960 verbrachte. Zunächst wurde er Betonbauer, um gleich danach noch die Lehre als Bauschlosser und Kunstschmied bei Fritz Kühn in Berlin zu absolvieren. Das Studium an der Hochschule für Formgestaltung Burg Giebichenstein Halle vollendete seine Ausbildung. Seit 1971 war er dann freiberuflich in Halberstadt tätig.

Als Mitbegründer der Künstlergemeinschaft "Pfeffermühle" war Hinz auf seinem künstlerischen Weg immer Suchender, der sich "zum Fehlen einer durchgängigen Formsprache, eines individuellen Stils" bekannte, dazu hatte er zu viele Ideen und wollte seine metallenen Materialien wie auf den Staßfurter Metallgestalter-Symposien immer wieder neu erproben. Das gelang ihm in herausragender Weise.

Starke Publikumsreaktionen bei DDR-Kunstausstellung

Als auf der X. Kunstausstellung der DDR in Dresden 1987/88 sein "Gehenktes Tier" gezeigt wurde, unsinnigerweise in der Sektion Kunsthandwerk, gab es starke Publikumsreaktionen. Die Ausstellungsbesucher hatten begriffen, dass es dem Künstler, der immer bekennender Christ war, um die Kostbarkeit der Schöpfung ging, um den Zustand des Menschen und seiner Welt.

Sie verstanden die Plastik durchaus als Mahnzeichen, das auch auf die in Halberstadt gezeigten sehr unterschiedlichen Plastiken "Gefallenes Tier" oder "Fallende Figur" zu übertragen ist. Auch der sich weit in den Himmel drehende Rattenfänger mit dem ihm folgenden Getier (1979, Stahl, geschweißt, gefärbt), der Anfang der 1980er Jahre eine gewisse Popularität erreichte (nicht in der Ausstellung), gehört in die Bemühungen des Bildhauers um die Schöpfung. Natürlich konnte Hinz auch mit leiser Ironie menschliche Verhaltensweisen in den Fokus stellen.

Bei allen Zufällen, die Ausstellung "RESPEKT - Freunde stellen aus" ist ein gelungener Auftakt für eine möglicherweise ständige Ausstellung im Herrenhaus. Daran sollten sich dann auch die Erben des OEuvres des Künstlers, dessen Bedeutung schon jetzt weit über Halberstadt hinausreicht, beteiligen. Respekt dem Künstler, aber auch dem Förderverein, ihm ist viel Kraft und Ausdauer für dieses Projekt zu wünschen.

Die Ausstellung ist bis zum 30. September zu sehen, geöffnet mittwochs von 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr, freitags von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Montags, dienstags und donnerstags sind Besichtigungen auf Vereinbarung unter [email protected] möglich.