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Kevin Kline Ein Theatermann vor der Kamera

Der US-Schauspieler Kevin Kline feiert seinen 70. Geburtstag. Berühmt wurde er vor allem mit seinen Komödien.

23.10.2017, 23:01

New York (dpa) l Als Kevin Kline 1980 als noch recht unbekannter Schauspieler zu einem Interview ansetzte, schienen Filmkameras nicht gerade sein Ding zu sein. „Wenn ich meine Stimme verliere, werde ich sterben“, sagte Kline, nachdem er sich ein Mineralwasser mit Zitrone bestellt hatte. Die Musical-Komödie „Die Piraten von Penzance“ war für Kline erst der zweite Spielfilm. Kameras schienen ihm eher fremd, die Theaterbühnen am Broadway waren sein Zuhause.

Mehr als drei Jahrzehnte später hat der Star aus „Ein Fisch namens Wanda“ bewiesen, dass er auch vor der Kamera eine gute Figur machen kann. Neben seinem Oscar als bester Nebendarsteller für „Wanda“ belegen auch seine fünf Golden-Globe-Nominierungen, dass Kline das Medium Film schnell im Griff hatte.

Teils war es bewegender Stoff, dem Kline sich in seinen filmischen Rollen annahm. „De-Lovely – Die Cole Porter Story“ erzählt etwa die rührende Geschichte des Jazz-Musikers und Komponisten Cole Porter. Auch „Trade – Willkommen in Amerika“ von 2007 um verschleppte mexikanische Mädchen und den Handel mit Sexsklavinnen greift ein ernstes Thema auf.

Häufiger spielte sich der in St. Louis in Missouri geborene Kline aber zum Komödien-Star herauf, etwa in „In & Out – Rosa wie die Liebe“ um einen schwulen Lehrer in Indiana oder in „Dave“ als Doppelgänger eines US-Präsidenten. Treffend gelang das auch an der Seite von Slapstick-König Steve Martin in „Der rosarote Panther“ von 2006.

Dass die Theaterbühne neben diesen filmischen Dramen und Komödien sein Zuhause blieb, zeigt die schauspielerische Anpassungsfähigkeit Klines. Als Absolvent der Juilliard School in New York hatte er nach einem Musikstudium und Testläufen in einer Theatergruppe eine hervorragende Ausbildung genossen.

Immer wieder nahm sich Kline die großen Dramen von William Shakespeare vor und brillierte in „Richard III.“, „Henry IV.“ und als Cyrano de Bergerac. So ließ er es sich auch nicht nehmen, die Figur Nick Bottom zu spielen, als Michael Hoffman 1999 Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf die Leinwand brachte.

Selbst der Fantasy-Film „Die Schöne und das Biest“, in dem Kline den Vater der schönen Belle (Emma Watson) spielt, beruht auf einem Disney-Musical von 1994 – dem Genre also, das am New Yorker Broadway zur Perfektion gebracht wurde. Irgendwie passte es dann auch ins Bild, als Kline im Juni für seine Rolle im Stück „Present Laughter“ seinen dritten Tony und damit den wichtigsten Preis der Musical- und Theaterindustrie gewann.

Kline ist vor allem ein Mann der Bühne, den beizeiten auch der Aberglaube aus der Theaterszene packen konnte. „Pfeife niemals in einem Umkleideraum“, warnte er 1980. „Sag‘ niemals ‚Macbeth‘ in einem Umkleideraum, bezeichne es als das schottische Stück. Zitiere Macbeth nicht einmal aus Spaß.“