Theater Magdeburg startet mit der italienischen Version des Märchenklassikers in die Spielzeit Ein Traum in Türkis für ein schräges, witziges "Aschenputtel"
Es soll ein Traum in Türkis werden, dieses eine Kleid für Julie Martin du Theil, mit dem die junge Frau als böse Stiefschwester in "Aschenputtel" (La Cenerentola") auf der Bühne des Opernhauses zu erleben sein wird. Ihr Kleid wie all die anderen Kostüme für Gioacchino Rossinis Komische Oper hat Ulli Kremer entworfen. Die Kostümbildnerin aus Trier arbeitet zum ersten Mal für das Magdeburger Theater.
Von Grit Warnat
Magdeburg. Julie Martin du Theil steht vor dem mannshohen Spiegel. Sie hat sich immer im Blick – als der Ausschnitt vergrößert, die Träger geändert, der Stoff abgesteckt wird, der intensiv wie karibikblaues Meer leuchtet.
Es soll ein Traum in Türkis werden, dieses neureich aussehende Sommer-Haute-Couture-Kleid, sagt Ulli Kremer. Tragen wird es Julie Martin du Theil, seit August 2010 Ensemblemitglied. Sie singt und spielt die Rolle der Clorinda, eine der beiden bösen Stiefschwestern. Die takelt sich auf, wie auch die anderen Ladies, die diese einmalige Chance, reich zu heiraten, nutzen wollen. Ein Traum, der sich auch in den Kostümen wiederfinden soll. Die Kostümbildnerin holt Stoffe, passt an. Erst Glitzersteine, dann Spitze mit großen Rüschen.
Für die Triererin, die das Schneiderhandwerk von der Pike auf gelernt hat, darf ein Kostüm nicht nur auf den Leib geschneidert sein. Es soll auch zum Charakter passen, sagt sie. Das Grundkonzept im Kopf sei die Basis, sie lebe in ihrer Arbeit aber immer mit Zugeständnissen, weil der Wohlfühlfaktor eine wichtige Rolle spiele, weil sie dem Schauspieler, dem Sänger nichts überstülpen will, womit der sich überhaupt nicht anfreunden könne. Gab es Zugeständnisse bei "Aschenputtel"? "Fast null", sagt Kremer und begründet das mit dem extrem jungen und spielfreudigen Ensemble. "Aber wir besprechen sehr viel. Es soll ja ein Augenschmaus werden." Sie ist bei den Proben dabei. Da werden auch für sie die Bilder immer präziser.
Schräg, witzig soll die Inszenierung von Anette Leistenschneider werden, die in den 1940er/50er Jahren angesiedelt ist. Klamauk und Action auf der Bühne – und eine Liebesgeschichte zwischen Prinz und Aschenputtel. Das Bühnenbild hat sich Karel Spanhak erdacht – auf einer Drehscheibe mit etlichen Räumen. Leistenschneider, Spanhak, Kremer kennen sich lange, hier in Magdeburg bringt das Trio zum ersten Mal eine Inszenierung auf die Bühne.
Ulli Kremer ist die Freude an der Arbeit anzumerken, auch wenn sich jetzt terminlich vieles zusammenschiebt, der Druck steigt. Bei der Frage, wie viele Kostüme entworfen und geschneidert werden, schüttelt Kremer den Kopf und sagt "Etliche". "Ich zähle das nie durch." Allein der Herrenchor habe mehrere Kostümwechsel, mal Mafia, mal Matrose. Auch die Solisten wechseln ihre zweite Haut.
Wie Sopranistin Julie Martin du Theil. Sie steht noch vor dem Spiegel – in Türkis und mit Rüschenblumen. Ulli Kremer geht einen Schritt zurück. Dem skeptischen Blick folgt ein zufriedenes Gesicht. Die Erstanprobe ist beendet. Die Premiere ist am 17. September im Opernhaus Magdeburg.