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Uraufführung von "Editha My Love" im Kaiser-Otto-Saal des Magdeburger Museums Ein Traumpaar aus dem 10. Jahrhundert

Von Claudia Klupsch 18.09.2012, 03:26

König Otto I. und seine Gemahlin Editha verband eine "Liebe, so mild wie ein warmer Sommerabend an der Elbe". So heißt es wörtlich im am vergangenen Freitagabend uraufgeführten Schauspiel "Editha My Love".

Magdeburg l Das neue Projekt der "Compagnie Magdeburg 09" ist nicht nur voller Poesie. Es zieht in die Historie Ottos, ins schlachtenreiche Mittelalter, in politische Macht- und Verteilungskämpfe mit niederzuringenden Aufständen. Das Stück von Bernd Kurt Goetz, der gemeinsam mit Gisela Begrich auch Regie führte, erzählt kurzweilig und spannend Geschichte, verknüpft sie geschickt mit der Lovestory von Otto und Editha. Die beiden erscheinen hier als Traumpaar des 10. Jahrhunderts.

Der Aufführungsort macht ein opulentes Bühnenbild überflüssig. Im Kaiser-Otto-Saal des Museums am Fuße des steinernen Reiterstandbildes agieren Otto, Editha, Gefolge und Widersacher. Acht Schauspieler reißen mit ihrer Spiel- und Sangesfreude den Zuschauer mit ins Geschehen. Sie sind in farbenprächtige Kostüme von Ausstatterin Kristina Biedermann gehüllt.

Christoph Deckbar am Piano auf der Bühne bettet seine eigens für das Stück komponierte Musik in die Szenen ein. Nur fünf Männer auf der Bühne mit todesmutiger Miene und gezogenen Schwertern singen zum Marschrhythmus von blutiger Schlacht - vor dem Auge erscheint das grausige Gemetzel mit Zehntausenden Kämpfern bei der Schlacht auf dem Lechfeld im August 955.

Ob die beiden Liebenden Otto und Editha wahrhaftig in Zeiten von Zweck-Ehen so intensiv einander zugetan waren, sei dahingestellt. Es ist einfach zu schön, wie Franziska van der Heide als Editha und Thomas Streipert als junger Otto einander in die Augen schauen und das Wunder der Liebe glaubhaft machen. Als sie ihr Duett vom "großen Glück" singen, geht auch dem Letzten im Publikum das Herz auf.

Van der Heide spielt wunderbar das junge Mädchen aus Wessex, rein und anmutig, aber auch die gereifte Frau, die sich um die Armen kümmert und ihrem tobenden Ehemann trotzt. Für ihren Gesang mit glockenklarer Stimme bekommt sie Szenenapplaus. Thomas Streipert gibt den Otto wie er sein muss - kühn und entschlossen, klug und machtversessen, hart, aber auch zärtlich liebend.

Magdeburger mehr als 1000 Jahre später muss dieses Herrscherpaar stolz machen. "Editha My Love" ist sowieso auch eine Hommage an die Stadt. Ein witziger Einfall ist es, zwei Fischer mit "machteburjischer" Mundart (Tobias Hübsch und Bernd Kurt Goetz) auftreten zu lassen. Wunderbar komisch auch der plötzliche Bruch, als eine ehrgeizige Museumstante aus dem Heute (Lisa Julie Rauen) auf der Bühne erscheint. Das Stück macht davor nicht Halt, die große Huldigung längst Verblichener auch ironisch zu betrachten.

Der Inszenierung gelingt es, in Ottos Zeit einzutauchen und dabei Spaß an Geschichte zu haben. Sie schafft eindrucksvolle Bilder, so etwa Bernd Kurt Goetz als "der Tod" (Ich hol\' sie nur ab, die arme Seel\') und die Mordszene mit Klaus Schaefer und Ekkehard Schwarz als Thankmar und Gero.

Wenn auch nicht jede Gesangseinlage überzeugt, so sei dem Leser hiermit dringend empfohlen: "Editha My Love" nicht verpassen!