Premiere für "Superheld - Wer bin ich und was kann ich?" in Magdeburg Eine köstliche Komödie mit geistreicher Blödelei, mehr nicht
Sie entspringen den bunten Heften an den Kiosken und landen punktgenau auf der Bühne des Schauspielhauses Magdeburg: die Comic-Helden in "Superheld - Wer bin ich und wenn ja, was kann ich?"
Magdeburg l Helle Begeisterung, aber auch eine gewisse Ratlosigkeit hinterließ diese Uraufführung am Freitagabend beim Publikum.
Der Titel des Stücks lehnt sich an einen Precht-Bestseller an und lockt den Zuschauer mit dieser Erwartungshaltung in eine höchst amüsante Falle.
Die Komödie aus der Feder von Jonas Hien, Dag Kemser Ensemble ist alles andere, als eine psychoanalytische Theater-Untersuchung nach dem Verhältnis von Gut und Böse der menschlichen Gesellschaft, wenngleich hier und da durchaus Ansätze dazu erkennbar waren.
Doch immer, wenn es drohte, nachdenklich zu werden, sorgten Raimund Widra als Ray, Jeremias Koschorz als Jesse, die herrliche Ultrawoman Marléne Meyer-Dunker und Badman Sebastian Reck dafür, dass es erst gar nicht dazu kam.
Der Zusatz bei den Autoren " Ensemble" deutet darauf hin, dass Handlungsideen gemeinsam entstanden sind. Das bemerkt man an zahllosen witzigen Ideen in Dialogen wie im Spiel, das den Akteuren die ganz lange Regie-Leine lässt. Damit wird das Geschehen aktionsreich und komisch, lässt aber die Geschichte hier und da "zerfasern".
Ultrawoman hat den Bösewicht Badman vernichtet
Ein Comic-Heft-Verkäufer und sein Freund, drangsaliert vom Besitzer des Kioskes, beschließen aus unterschiedlichen Motiven, selbst zu Helden zu werden. Sie leben in Paradise-City, einer Stadt, in der Ultrawoman darüber wacht, dass das Böse keine Chance hat, nachdem sie Badman, den Bösewicht, ein für allemal vernichtet hat.
Das stellt sich als Irrtum heraus, denn das Böse lauert überall und ist immer gegenwärtig. Es folgen Versuche, selbst zum Helden zu werden, die unbemerkte Liebe des schwulen Freundes, eine Ultrawoman mit Depressionen und vieles anderes mehr. Alle Arten und Unarten von Super-männern und -frauen finden sich irgendwo wieder.
Comics haben einen sehr realen, oft zutiefst gesellschaftspolitischen Hintergrund. Sie sind nichtreales Spiegelbild von Träumen, Wünschen und Begierden.
Genau diese Absurdität ermöglicht die Identifikation, sich über das jämmerliche eigene Ich erheben zu können.
Diesen Ansatz kann man im Theater wissenschaftlich-dramatisch zu ergründen versuchen, oder aber über die Karikatur der Absurdität offenbaren. Letzteres hat Jonas Hien als Regisseur gewagt und sich damit der Quadratur des Kreises genähert.
Bewundernswert ist die Ausstattung (Bühne/Kostüme Christiane Hercher). Sie bildet den Kontrapunkt zum skurrilen Geschehen, in dem sie immer noch einen Lichtpunkt daraufsetzt. Die Plastik-Umhänge für das Publikum, die sicherheitshalber dafür sorgen sollten, dass Badman aus seinem mit Wasser schießenden Fantasiegefährt nicht auch noch die Premierengarderobe der Zuschauer beschäfigt, wurden nicht benötigt. Schade, eigentlich.
Wer mehr als Klamauk möchte, könnte enttäuscht werden
Was letztlich bleibt, ist eine köstliche Komödie, in der man herzlich lachen und staunen kann, die unterhält, die aber auch verlangt, dass man sich darauf einlässt.
Wer unbedingt mehr will, als ein Feuerwerk des Klamauks und der durchaus geistreichen Blödelei, wird vielleicht enttäuscht sein. Alle anderen werden sich vor Vergnügen die Schenkel schlagen.
Das jedenfalls machte eine Schulklasse, die voller Begeisterung "ihre" Helden feierte und mit eigenen Wortbeiträgen dem Geschehen hier und da noch Effekte hinzufügte.