Premiere von Johann Strauß\' Operette im Bergtheater Thale Eine venezianische Nacht im Harz
Als die Ouvertüre zu "Eine Nacht in Venedig" erklang, summten die Zuschauer im gut besuchten Bergtheater Thale animiert das Motiv "Komm in die Gondel" mit. Beifall für das Nordharzer Städtebundtheater schon nach den ersten Takten.
Thale l Den nächsten Applaus gab es für die wertvollen Kostüme und das Bühnenbild von Susanne Bachmann. Ein Steckbaukasten mit Venedigs Sehenswürdigkeiten wie der Rialto-Brücke, dem Lido, dem Dogenpalast, dem Turm der Kirche San Giorgio Maggiore. Nach und nach entfaltete der bestens von Jan Rozehnal geleitete Chor die Szenerie zwischen den Harzer Felsen. Aus einer überdimensionalen Ansichtspostkarte entstand der Anlegeplatz der Gondolieri samt vorfahrender Gondel. Selbst die Tauben auf dem Markusplatz fehlten nicht.
Regisseur Werner Pichler schürzte auf vergnügliche Weise das frivole Geschehen zwischen dem Herzog von Urbino, den drei Senatoren Delaqua und seiner schönen Frau Barbara, Barbaruccio nebst Gattin und Testaccio sowie dem auf Barbara scharfen Neffen Enrico.
Besonderes Augenmerk legte er auf die Volksfiguren. Mit Witz, Verstellung und Verkleidungskunst machen sie beherzt ihren Schnitt - das Fischermädchen Annina, des Herzogs Faktotum Caramello, der Makkaronikoch Pappacoda und seine Liebste Ciboletta.
Darf das "Zwiebelchen" Ciboletta in der Lagunenstadt sächseln? Das ist sicher nicht historisch genau. Aber sie darf, wenn sie auf solch liebenswerte Weise wie Pierags den Mutterwitz und den Charme ihrer Volksfigur entdeckt!
"Alle maskiert, wo Spaß, wo Tollheit und Lust regiert."
Zu Recht gilt die Operette von Johann Strauß nach dem Libretto von Friedrich Zell und Richard Genée als eines seiner Meisterwerke. Venezianische Lebenslust, der heitere Grundton und die genaue Figurenzeichnung spiegeln sich in der Musik wider.
Dirigent Michael Korth hielt das Orchester und das Gesangsensemble gut zusammen. Eine nicht ganz leichte Aufgabe, wenn die Damen bei ihren Arien in langer Robe über steile Felstreppen balancieren müssen, zudem noch alle unter schweißtreibenden Perücken stecken und von der Sonne geblendet werden. Ein Sonderlob der Maske und den Ankleiderinnen! Es war eine Parade der Ohrwürmer. Vom Lagunenwalzer "Ach, wie so herrlich zu schau\'n" bis zu "Komm in die Gondel", von Pappacodas Auftrittslied und Anninas "Frutti di Mare" oder "Alle maskiert, wo Spaß, wo Tollheit und Lust regiert". Aus der Schar der spielfreudigen Sänger ragten besonders Annabelle Pichler, Gerlind Schröder, Bettina Pierags, Peter Diebschlag, Juha Koskela und Tobias Amadeus Schöner hervor.
Es war eine Parade der Lebensfreude, der Seitensprünge, des Fremdgehens und Verzeihens. Bei der nächstbesten Gelegenheit wird man wieder flirten und lieben, was das Zeug hält. Langer Applaus für die sängerisch und spielerisch überzeugende "Nacht in Venedig".