Film und Fernsehen Eine Wiener Schauspiel-Dynastie
Die Familie Hörbiger ist seit fast 100 Jahren auf der Bühne und im Film präsent.
Wien (dpa) l Eigentlich hätte Christiane Hörbiger nicht in die Fußstapfen ihrer berühmten Schauspiel-Eltern treten sollen. Zuckerbäckerin sollte die jetzt 76-jährige "Grande Dame" aus Film und Fernsehen werden, wenn es nach dem Wunsch von Paula Wessely und Attila Hörbiger gegangen wäre. Doch sie widersetzte sich und schlug den Weg auf die Bühne und vor die Kamera ein - so wie fast alle ihrer Verwandten. Keine andere Familie prägt die deutschsprachige Theater- und Filmlandschaft so wie die Hörbigers.
Als "Nervenzentrum österreichischer Darstellungskunst" bezeichnete die Zeitschrift "Profil" die Familie einst. Im Zentrum standen die 1907 geborene Wienerin Paula Wessely und Attila Hörbiger, der 1896 in Budapest zur Welt kam. Mit Beginn des Tonfilms avancierten beide zu Leinwandstars der ersten Stunde. Ihre wahre Heimat fanden sie aber auf der Bühne, vor allem am Wiener Burgtheater.
So schlug "die Wessely" mehrfach Hollywood-Angebote aus, um an allen großen Häusern im deutschsprachigen Raum zu arbeiten. Die Nähe zum Nationalsozialismus und das Mitwirken im Propagandafilm "Heimkehr" ließ die Karriere nach 1945 nur vorübergehend einknicken. Hörbiger und Wessely feierten in den folgenden Jahrzehnten weitere Erfolge.
Kein leichtes Erbe für ihre drei Töchter: Elisabeth Orth, Christiane und die Jüngste, Maresa Hörbiger, entschieden sich alle gegen den Rat ihrer Eltern für die Schauspielerei.
Vernichtendes Debüt am Burgtheater
TV-Liebling Christiane Hörbiger besuchte am Beginn ihrer Laufbahn das renommierte Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Das Debüt am Burgtheater als Recha in Lessings "Nathan" fiel aber vernichtend aus. Ein Kritiker bezeichnete Hörbiger als "unbegabte Tochter der Paula Wessely". Schnell verließ Hörbiger daraufhin Österreich, um sich im Ausland ihren eigenen Namen zu erspielen - genauso wie auch ihre Schwestern. Elisabeth Orth entledigte sich sogar ihres Familiennamens, um den Vergleichen zu entgehen.
Christiane Hörbiger avancierte im Lauf ihrer Karriere zu einem der größten Fernsehstars im deutschsprachigen Raum. Ihr Durchbruch gelang ihr in den 1980er Jahren mit der TV-Serie "Das Erbe der Guldenburgs". Als Richterin in der österreichisch-deutschen Serie "Julia - Eine ungewöhnliche Frau" fesselte sie später ein Millionenpublikum. Während sich ihre Schwestern mit großer Leidenschaft dem Theater verschrieben, folgten bei Christiane Hörbiger Dutzende Auftritte in Fernseh- und Kinofilmen.
Als Fixpunkt für nahezu alle Mitglieder des "Hörbiger-Clans" etablierte sich der Salzburger Domplatz. Die imposante Spielstätte des "Jedermann" der Salzburger Festspiele scheint bei den Hörbigers seit über 80 Jahren als Sommerresidenz zu fungieren. Attila Hörbiger mimte das erste Mal 1935 unter der Regie vom Festspiel-Mitbegründer Max Reinhardt die begehrte Hauptrolle des Mysterienspiels von Hugo von Hofmannsthal. Christiane Hörbiger verkörperte mehrere Jahre eine laut Kritikern besonders sinnliche "Buhlschaft".
Aber auch Paula Wessely, Elisabeth Orth und ihr Mann Hanns Obonya waren auf der Bühne zu sehen. Seit 2013 brilliert nun Cornelius Obonya, der Sohn von Elisabeth Orth, als "Jedermann".