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Generalintendantin Karen Stone spricht über ihre Inszenierung "Maria Stuart" am Opernhaus "Es gibt keine Männer in Strumpfhosen"

06.04.2013, 01:18

Nach "Lucia di Lammermoor" inszeniert Karen Stone am Theater Magdeburg mit "Maria Stuart" zum zweiten Mal eine Oper von Gaetano Donizetti. Grit Warnat hat mit der Generalintendantin über die Arbeit und die Besonderheiten dieser Oper gesprochen.

Volksstimme: Beide Donizetti-Opern sind Meisterwerke des Belcanto. Sie mögen Belcanto?

Karen Stone: Ich liebe italienische Oper, ich liebe Belcanto. Ich hatte natürlich auch geschaut, was hier am Haus noch nicht gezeigt wurde. Donizettis "Lucia di Lammermoor" kam beim Publikum an. Da wollten wir nachlegen. Wir haben mit Hale Soner und Noa Danon zwei unglaublich gute Sopranistinnen für die beiden Hauptrollen und einen Dirigenten, der fließend italienisch spricht und dieses Repertoire kennt. Wichtige Gründe, "Maria Stuart" hier zu zeigen.

Volksstimme: Dazu gehört sicher auch die Faszination, die von der Oper ausgeht?

Stone: Ja, natürlich. Die Vorlage von Schiller ist perfekt. Die beiden Königinnen Maria und Elisabeth haben sich nie wirklich kennengelernt. Schiller hatte eine fantastische dramaturgische Idee, indem er die beiden Frauen zusammenbrachte und dann schaute, was passiert. Es ist richtig gutes Theater, es ist aber auch wunderbare Musik von Donizetti, sehr dramatisch und herrlich für die Sänger.

Volksstimme: Belcanto ist auch eine Herausforderung für Ihre Sänger.

Stone: Belcanto bedeutet schönes Singen, auf das man im 19. Jahrhundert in Italien gesetzt hat. Komponisten haben sich auf die schöne Linie des Gesanges konzentriert. Das ist das Besondere, das Schöne, das nicht Einfache.

Volksstimme: Die Oper "Maria Stuart" setzt auf Dramatik. Wie kann man das mit Belcanto vereinen?

"Die Premiere wurde abgesagt und die Aufführung längere Zeit verboten"

Stone: Das ist die Kunst, immer wieder Dramatik hineinzubringen. Auch in der Wut, in einer gewissen Traurigkeit, wird in der schönen Linie gesungen. Maria hatte sich vor dem Gang zum Schaffott bis auf ein rotes Seidenkleid ausgezogen. Auf andere wirkte das schockierend. Sie sagte aber: "Seid nicht traurig. Ich gehe jetzt in den Himmel." Am Ende der Oper stirbt sie und singt zufrieden zu Gott. Das ist ergreifend schön.

Volksstimme: Es gibt zwei königliche Rivalinnen, ElisabethI und Maria Stuart. Das bedeutet, es gibt zwei Diven auf der Bühne.

Stone: Hale Soner und Noa Danon sagen, es ist wie eine Befreiung. So oft müssen sie blutjunge Frauen darstellen, dass sie jetzt diese Rollen außerordentlich genießen. Übrigens vertragen sie sich.

Volksstimme: Sie spielen an auf die Uraufführung von 1834? Damals sollen sich beide Primadonnen geprügelt haben.

Stone: Ja, das muss schlimm gewesen sein. Sie sollen sich nicht gemocht haben. Auf der Bühne blieb es nicht nur bei Worten und Gesang, sie wurden handgreiflich. Eine der Sängerinnen musste ins Krankenhaus gefahren werden.

Volksstimme: Damit begann die aufregende Geschichte der Oper "Maria Stuart". Sie wurde anfangs auch noch verboten. Warum?

Stone: In der Generalprobe in Neapel soll Königin Maria Christina von Neapel vor Rührung ohnmächtig geworden sein. Die Premiere wurde daraufhin abgesagt und die Aufführung längere Zeit verboten. Die Oper wurde umgeschrieben und ein Jahr später in Mailand mit Änderungen von der Zensur aufgeführt. Mit der neuen Sängerin hat es aber auch wieder einen Skandal gegeben.

Volksstimme: War die Oper deshalb lange Zeit von den Bühnen verschwunden?

Stone: Auch, aber nicht nur. Die Originalfassung von Neapel war verschollen. Erst in den 1980er Jahren hat man die Urfassung gefunden. Seitdem erlebt das Stück wieder eine Renaissance. Zum Glück. Es ist eine fantastische Oper.

Volksstimme: Inszenieren Sie zum ersten Mal "Maria Stuart"?

Stone: Nein. Als Regieassistentin habe ich an der English National Opera eine Produktion übernommen. Und ich hatte auch bei einer Inszenierung in Monte Carlo assistiert. Aber unsere hiesige Inszenierung wird ganz anders.

"Es ist eine Zeit gewesen, die auch Magdeburg nicht vergessen kann"

Volksstimme: Inwieweit?

Stone: Es gibt keine Männer in Strumpfhosen. Sie sehen einfach zu komisch aus.

Volksstimme: Was reizt Sie mehr an "Maria Stuart": Als gebürtige Engländerin die heimatliche Historie oder als Opernfachfrau die italienische Operntradition?

Stone: Ich mag generell diese geschichtliche Periode. Es ist eine Zeit gewesen, die auch Magdeburg nicht vergessen kann, weil die Stadt 1631 unter Tilly verwüstet wurde. Es ist also nicht nur die damalige englische, sondern insgesamt die europäische Geschichte spannend. Aber keine Angst, wir bringen keine englische Geschichte auf unsere Bühne, wir machen italienische Oper nach Schiller.

Volksstimme: Wie viel Spaß macht es Ihnen, wieder eine Oper zu inszenieren?

Stone: Unglaublich viel. Vor allem, weil ich von meiner Büroarbeit wegkomme. Mit jeder Inszenierung lerne ich das Haus mit dem Team weiter kennen und schätzen. Das ist wichtig für beide Seiten.

Premiere: 13. April, 19.30 Uhr, Opernhaus Magdeburg