Die Moritzburg in Halle zeigt die expressionistischen Deckengemälde von Karl Völker in einer Ausstellung Farbstarke Kirchenbilder aus neuem Blickwinkel
Halle l Als exklusiv und einmalig kann sich die neuste Schau im Landeskunstmuseum Stiftung Moritzburg in Halle bezeichnen. Unter dem Titel "Karl Völker. Heilige Geschichten. Der expressionistische Bilderschatz aus Schmirma" zeigt die Moritzburg die weithin unbekannten elf Deckengemälde des halleschen Künstlers Karl Völker (1889-1962). Die auf Leinwand gemalten Bilder mussten abgenommen werden, weil das Dach der Kirche undicht ist. Während es nun saniert wird, bietet die Moritzburg bis 5. Januar die Chance, die Gemälde aus der Nähe zu sehen. Sie bilden mit der farbigen Gestaltung des Kirchenraumes die - nach Museumsangaben - einzige erhaltene expressionistische Bildausstattung in einer deutschen Kirche.
"Ich möchte Sie herzlich bitten, im Interesse unserer ganzen Kunstentwicklung dafür eintreten zu wollen, dass wir in Schmirma etwas Besonderes und Einzigartiges schaffen dürfen; ich habe die feste Überzeugung, dass späterhin nicht nur die Gemeinde dafür dankbar sein wird, wenn dort Entfaltungsmöglichkeiten gegeben würden", schrieb Landesbaurat und Provinzialkonservator Max Ohle 1921 an die Kirchengemeinde von Schmirma. Die Gemeinde stimmte einer modernen Ausmalung zu; der später als "entartet" verfemte Maler und Architekt Karl Völker bekam den Auftrag und schuf 1921/22 Bilder, die einfach und eindrucksvoll zugleich die wichtigsten Szenen aus dem Leben von Jesus Christus zeigen. Obwohl die Bilder für eine Kirchendecke geschaffen wurden, entfalten die stark farbigen, klar strukturierten Szenen auch von nahem betrachtet einen großen Reiz. Am meisten überraschen die überaus sorgfältig gearbeiteten, ausdrucksvollen Gesichter.
Wer diese besondere Ausstellung gesehen hat, wird fast ein wenig traurig, dass die Bilder nach der Restaurierung wieder an die Kirchendecke zurückkehren. Doch bis dahin gibt es noch einiges zu tun, denn bisher konnten nur vier Bilder abschließend restauriert werden. Es fehlen noch mehr als 50.000 Euro.