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Quedlinburger Galerie legt Schwerpunkt auf das Holzschnittoeuvre seines Namensgebers Feiningers obsessiver Arbeitseifer

Von Tom Koch 01.02.2013, 01:20

Holzschnitten von Lyonel Feininger ist eine Ausstellung gewidmet. Vom 8.September an wird die seinen Namen tragende Galerie in Quedlinburg diese Sonderschau mit zahlreichen Leihgaben eröffnen. Bereits vorab wirbt Galeriechef Björn Egging für den Besuch seines Hauses.

Quedlinburg l Die These lautet: Ohne seine Holzschnitte wäre Lyonel Feininger womöglich kein so erfolgreicher Bauhaus-Künstler geworden.

Den Beweis dafür will der Quedlinburger Galeriechef Björn Egging mit einer Sonderschau ab 8.September in seinem Haus erbringen. Als Titel wurde "Auf dem Weg zum Bauhaus-Künstler. Lyonel Feininger und sein Holzschnittwerk" gewählt.

Das klingt eher unspektakulär und nach einem Arbeitstitel, muss selbst Egging einräumen. Doch dafür weiß er im Volksstimme-Gespräch eine Besonderheit anzukündigen: "Zum ersten Mal werden wir bei Feiningers Holzschnitten ganz genau hinschauen."

Die Ausstellung soll die Entwicklung des Künstlers aufzeigen. Von der dramatisch-expressiven Sprache - begründet auch in der persönlichen Nähe zu den "Brücke"-Künstlern - hin zu Werken, die stärker in sich ruhen, die eine große Gelassenheit ausstrahlen, beschreibt der Direktor der Feininger-Galerie den Wandel.

Zum Konzept der Sonderausstellung gehört, die Holzschnitte in den Kontext anderer Arbeiten des deutsch-amerikanischen Malers zu stellen, der von 1871 bis 1956 gelebt hat. Deswegen werden Kohlezeichnungen genauso zu sehen sein wie Ölbilder, die teils Vorbilder für Holzschnitte waren oder auch Vorlagen.

Es gibt rund 320Holzschnitte Feiningers, der als einer der bedeutendsten Vertreter der Klassischen Moderne gilt. Seine ersten Holzschnitte hatte er bei seinem Aufenthalt 1917 im Harzer Ort Braunlage geschaffen, und damit in Quedlinburger Nachbarschaft. Auffällig an diesen Werken, dass sie sind größtenteils in einer sehr kurzen Phase entstanden, vor allem vom Frühjahr 1918 bis Ende 1920, so Egging. Er spricht deshalb von obsessivem Arbeitseifer, Feininger habe allein im ersten Jahr 117Drucke fertiggestellt.

Etwa 150 Holzschnitte, auch einzelne Kohlezeichnungen und rund ein Dutzend Ölbilder aus den Jahren 1913, 1920 und 1925/30, so der aktuelle Planungsstand, werden ab September zu sehen sein. 100Holzschnitte aus eigenem Quedlinburger Bestand, die übrigen Exponate sind Leihgaben. Björn Egging kündigt an, "exklusive Werke, teils aus anderen Museen, teils aus privaten Sammlungen". Leihgeber werden beispielsweise das Essener Folkwang-Museum und das Berliner Kupferstichkabinett sein, auch das Whitney Museum of American Art in New York, ebenso die Kunstsammlungen in Chemnitz, die sich rühmen, ein einzigartiges Feininger-Konvolut aus fast 300Stücken ausstellen zu können. Die Sonderschau zeigt ab Herbst ebenso Ölbilder, die einer privaten Schweizer Sammlung entstammen.

Exklusive Leihgaben aus Museen und Sammlungen

Das "Gelmeroda"-Thema, das viele mit dem künstlerischen Schaffen Feiningers verbinden, verdeutliche dessen Entwicklung auf besondere Weise. Der Galeriechef verweist in diesem Zusammenhang auf "GelmerodaVII" von 1916. Das ist ein expressionistischer Holzschnitt mit starkem Helldunkel-Kontrast, etliche Arbeiten und wenige Jahre später folgt "GelmerodaVIII. "Eine beruhigte, lichtdurchflutete und flächig-konstruktive Darstellung", beschreibt Egging.

Zwischen beiden Werken und parallel zum Arbeiten an zwei ebenso verschiedenen "Gelmeroda"-Gemälden hat Feininger 15völlig unterschiedliche Holzschnitte zum "Gelmeroda"-Motiv geschaffen. Auch dieser Umstand bekräftigt den Galeriechef in seiner Ausgangsthese: "Das deutet darauf hin, dass Lyonel Feininger des Holzschnittes bedurfte, um das Motiv auch malerisch weiterzuentwickeln."