Klassik-Event Festspiele MV im nächsten Jahr mit 142 Konzerten
Die inhaltliche Bandbreite bei den Festspielen ist enorm. Sie reicht von Alter Musik bis zum Konzertevent in einer Panzerhalle mit Start-Up-Atmosphäre. Selbst Festivalintendant Markus Fein hat Respekt vor diesem Spagat.
Schwerin (dpa) - Julia Fischer spielt ganz klassisch auf der Bühne der Konzertkirche Neubrandenburg, doch viele andere Veranstaltungsorte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern im nächsten Jahr sind wirklich unerhört: Der Cellist Eckart Junge und der Pianist Jacques Ammon musizieren zwischen Transportbändern im Neustrelitzer Paketzentrum der Deutschen Post AG.
Andere "Unerhörte Orte" sind die Straßenbahnwerkstatt des Nahverkehrs in Schwerin und die Werkshalle eines Flugzeugsitze-Herstellers ebenfalls in der Landeshauptstadt. Jazzposaunist Nils Landgren und Cellist Stephan Braun bespielen die ehemalige Turbinenhalle des stillgelegten Kernkraftwerkes Lubmin.
Das Programm der Festspiele MV sieht vom 15. Juni bis 15. September insgesamt 142 Konzerte vor. Sie gehören damit zu den größten Klassik-Festivals bundesweit.
Neben Konzerten mit internationalen Stars wie den Geigern Hilary Hahn und Daniel Hope oder den Dirigenten Kent Nagano und Mariss Jansons probieren die Festspiele auch innovative Formate aus. Neu sei in der Saison 2019 zum Beispiel das "Detect Classic Festival" für junges Publikum, sagte Intendant Markus Fein bei der Programmvorstellung am Mittwoch in Schwerin. In den ehemaligen Neubrandenburger Panzerhallen sollen neben Auftritten junger Ensembles auch Begegnungen mit der Start-Up-Szene möglich sein. Das englische Wort "detect" heißt entdecken.
Niedrigschwellige Angebote, wie ein Fahrradkonzert in Schwerin oder das schon traditionelle Kinder- und Familienfest in Hasenwinkel (Landkreis Nordwestmecklenburg), sollen Menschen begeistern, die bis dato wenig Interesse an klassischen Konzerten hatten. "Wir wollen Klassikmuffel hinter dem Ofen hervorholen und Klassikkenner überraschen", sagte Fein zum Anspruch der Festspiele, die immer wieder mit neuen Ideen auffallen. So gibt es mit der diesjährigen Preisträgerin in Residence, der Niederländerin Harriet Krijgh, ein "Amsterdam-Wochenende" in Schwerin, unter anderem mit einer filmisch-musikalischen "Begehung" des Rijksmuseum Amsterdam, Radfahren und Käseverkostung. Die Cellistin Krijgh gibt während der Saison 2019 insgesamt 20 Konzerte.
Intendant Fein hat selbst Respekt vor dem Spagat zwischen dem Anspruch eines hochkarätigen Klassikfestivals und dem Versuch, neue, breite Publikumsgruppen zu erschließen. Die neuen Formate würden sehr gut vom Publikum angenommen, sagte er. "Aber man darf den Bogen nicht überspannen." Innovatives dürfe nicht ins reine Event abrutschen. Und Konstanz sei ebenfalls sehr wichtig. Bewährtes, wie die großen Weltstars-Konzerte in der Reithalle des Landgestüts Redefin oder das Klütz Open Air, gehören zum Programmfundament.
Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben die Zahl ihrer Besucher in den vergangenen Jahren immer wieder gesteigert. Im vergangenen Jahr kamen 86 000 Zuhörer zu den Veranstaltungen - ein neuer Rekord. Nach Feins Worten steht den Organisatoren ein Budget von gut fünf Millionen Euro zur Verfügung. Knapp die Hälfte davon werde durch Ticketverkäufe erwirtschaftet, den Rest bringen private und öffentliche Sponsoren auf.