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"Pension Schöller" hatte im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau Premiere Für manchen ein bisschen zu verrückt

Von Helmut Rohm 07.12.2011, 04:26

Das "Totale Verrücktsein" rückt Regisseur Werner Eng in den Focus der Komödie "Pension Schöller" von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby, die im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau Premiere hatte.

Dessau-Roßlau l Ob die herkömmliche Komödie ein "verstaubter Schwank" ist, sei dahingestellt. Die in Dessau präsentierte Fassung in der Bearbeitung von Holger Kuhla jedenfalls war eine große Herausforderung - für Akteure und Zuschauer.

Der wort- und slapstickreich geführte Streit zwischen Maler Ernst Kissing (Julian Mehne) und Möchtegerndeklarierer Eugen Rümpel (Jan Kersjes) mit der bekannten l-und-n-Schwäche über Bild oder Bühne wurde mit dem überraschenden Kompromiss "Bühnenbild" aufgelöst.

So war denn auch der mehrfach gedrehte übergroße güldene Bilderrahmen eben dieses Bild (Bühne auch Werner Eng), um das sich die echt verrückte, verrücktmachende Handlung mit ein- und zweideutigen Dialogen und Gesten, Rennen, Schreien, auch Pferdewiehern, "großen und kleinen" Glockenläuten, auch Beethoven, abspielte.

Eng hat so fast alles hineingepackt, egal ob trefflich oder fragwürdig - Hauptsache Aktion: Je verrückter, umso besser. Doch längst nicht alles kam beim Publikum an.

Das Verrücktsein wurde typgerecht in charakterisierenden Kostümen (Justus Saretz) von den Schauspielern mit anerkennenswertem Engagement in den etwa eineinhalb Stunden zum "Ausbruch" gebracht - nach dem Motto: "Ich bin mir für nichts zu schade!"

Uwe Fischer war der ewig hosehochziehende und sensationsgeile Philipp Klapproth. Erst Alkohol, dann Liebe mit dem skurrilen Großwildjäger Bernhardy (Stephan Korves) machte Ulrike Sprosser (Christel Ortmann) wieder glücklich. Der zackige Major a. D. Gröber (Boris Malré) fand mit der ewig recherchierenden Journalistin Josephine Krüger (Thorsten Köhler) zusammen. Der junge, zunächst schüchterne Alfred Klapproth (Sebastian Müller-Stahl) fand dann recht zupackend im erotisch überspannten Schöller-Mündel Amalie (Eva Marianne Beger) seine Erfüllung.

Nur der Pensionsleiter und ehemalige Musikdirektor Schöller (Karl Thiele) versteht die Welt nicht mehr. Das ist ihm wohl alles zu verrückt.

Auch mancher Gast war wohl nachdenklich geworden. Es gab Beifall. Zuschauer-Euphorie war es nicht.

Die nächsten Aufführungen finden am 9., 26., 29. und 30. Dezember statt, jeweils um 19.30 Uhr.