Zum Auftakt der neuen Spielzeit befasst sich das Anhaltische Theater Dessau mit einer geplanten Mittelkürzung Generalintendant Bücker: "Lasse mir das nicht gefallen"
Dessau-Roßlau l "Ich habe nicht vor, mir das gefallen zu lassen", betont André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, gestern morgen unter dem Beifall seiner Mitarbeiter. Sie sind zum Auftakt der 218. Spielzeit zusammengekommen. Erstmals öffentlich, um noch einmal jene geplante Kürzung zu diskutieren, die das Theater seit Anfang August bewegt. Sachsen-Anhalts Kultusministerium hat die Streichung von 205 000 Euro für 2013 angekündigt. Es sind Mittel aus dem Vertrag "Theater der Region", der 2001 erstmals speziell für Dessau aufgelegt wurde.
Das Anhaltische Theater erhält daraus im Jahr 1,12 Millionen Euro, zusätzlich zu den je 7,2 Millionen Euro, die Land und Stadt über den Theatervertrag finanzieren. "Dieses Geld ist kein Luxus für uns, sondern fester Bestandteil der Theaterfinanzierung", verweist Bücker auf die Zusatzgelder - die für die neue Spielzeit auch längst verplant seien. "Einen riesigen Skandal" nennt er die so kurzfristig informierte Streichung. "Irgendwann reicht es mal", so Bücker zum "seit 20 Jahren anhaltenden Kulturabbau im Land". Auch die Mitarbeiter des Dessauer Theaters arbeiten seit zehn Jahren mit einem Haustarifvertrag mit zehn bis 15 Prozent Lohneinbußen.
Um etwa sieben Millionen Euro sinkt der Kulturetat im Landeshaushalt 2012/2013. Die damit verbundenen Kürzungen wurden in allen anderen Bereichen vorgenommen, "die Theater sollten verschont werden", sagt in Dessau Jürgen Engelmann, Theaterreferent im Kultusministerium. Bereits im Januar habe Kultusminister Stefan Dorgerloh in einem Spitzengespräch mit Theaterträgern die Fortschreibung der Theaterverträge für 2013 festgelegt. Mit dem Kulturkonvent, der unter anderem am 4. September in Wittenberg zu diesem Thema tagt, soll eine Theaterstruktur gefunden werden, die ab 2014 ein gesichertes Arbeiten möglich macht. Ausgenommen von der Fortschreibung sei unter anderem der Dessauer "Theater der Region"-Vertrag gewesen. Das hätten die Verantwortlichen gewusst. Die tatsächlich notwendige Kürzung ergebe sich aus dem jetzt notwendig gewordenen Nachtragshaushalt.
Das Anhaltische Theater hatte in der vorigen Spielzeit 1063 Veranstaltungen und mit insgesamt über 180000 Zuschauern in allen Bereichen Zuwächse errreicht.