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Musiker unterschiedlicher Genre vereint in der Magdeburger Pauluskirche / 94 Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt "Grenzgänger"-Festival zwischen Klassik und Folkmusik

10.09.2012, 03:31

Von Renate Bojanowski

Magdeburg l Zum Kleinkunstfestival "Grenzgänger" der Evangelischen Kirche lud der gleichnamige Verein am vergangenen Freitagabend in die Magdeburger Pauluskirche ein. Unter dem Motto "Grenzenlos" präsentierten die Veranstalter dem Publikum einen außergewöhnlichen musikalisch-literarischen Abend. Gestaltet wurde der Abend vom "Rossini-Quartett", dem Konzertmeister der Magdeburgischen Philharmonie, Yoichi Yamashita, dem Trompeter Tilmann Schneider, der Mezzosopranistin Kammersängerin Undine Dreißig, der Folkband "Strömkarlen" aus Dresden sowie vom Cottbuser Gitarrenduo "Gitarreros".

Ein erster Blick in das Programm markierte eindeutige Grenzen. Was können Kompositionen von Telemann bis Folklore von unendlichen grünen irischen Wiesen schon gemeinsam haben? Und dann noch Texte unterschiedlicher Epochen? Es war die Einzigartigkeit einer jeden Darbietung, das Feuer, die Leidenschaft und die Freude, die jedem Künstler schier ins Gesicht geschrieben war und den Zuhörer betörte. Ob dies an dem schwedischen Wassergeist lag, der bei der Namensgebung der Dresdner Folkband "Strömkarlen" Pate stand, ist nicht gewiss. Doch dem geheimnisvollen Reiz der sinnlich-melancholischen Lieder musste man einfach erliegen.

Fiddle, Tinwhistle, Gitarre und Piano rundeten diesen Eindruck wunderbar ab. Der Trompeter Tilmann Schneider machte dem Publikum den Übergang zur Barockmusik leicht. Er interpretierte gemeinsam mit dem Rossini-Quartett und Yoichi Yamashita die Trompetensonate D-Dur von Georg Philipp Telemann. Sein kultivierter Ton und die sehr sauberen Klänge vor wunderbar weichem Streichergrund verzückten die Herzen der Zuhörer in der Kirche.

Vom Norden Europas in die südamerikanische Sonne ist es weit - geographisch gesehen. Mit dem Gitarrenduo "Guitarreros" - ein Katzensprung. Rhythmisches Feuer, Virtuosität und Temperament bestimmten das Spiel der Zwillinge Volker und Torsten Schubert. Tosenden Applaus heimsten die beiden vor allem mit dem Hit "Brazil" und dem Santana - Klassiker "Samba Pati" ein. Jede Darbietung outete einen "Grenzgänger" und verwischte die Grenzen gleichzeitig. Kammersängerin Undine Dreißig tat dies nicht nur mit ihrem zauberhaften Gesang und äußerst feinen Timbre, sondern machte sich auch als Rezitatorin einen Namen. "Wir sehen uns wieder" hieß das Abschiedslied, das alle Akteure gemeinsam interpretierten und eine ganze Reihe von Zugaben einleitete.

Mögen die "Grenzgänger" im Rahmen ihres 16. Kleinkunstfestivals in Sachsen-Anhalt und Thüringen während ihrer 94 Veranstaltungen möglichst eine grenzenlose Anhängerschaft finden wie an diesem Abend in der Magdeburger Pauluskirche.