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"Der Tod und das Mädchen" beim 9. Internationalen Figurentheaterfestival in Magdeburg Hackfleisch wird statt Filet serviert

25.06.2011, 04:29

Von Caroline Vongries

Magdeburg. Schräge Töne können Kunst sein, das lehren am Donnerstagabend zum Beispiel die sechs Bagatellen von Anton Webern, die die Inszenierung des Berliner Regisseurs Hendrik Mannes "Der Tod und das Mädchen" dem gleichnamigen Streichquartett von Schubert entgegensetzt. Doch zwangsläufig ist diese Verbindung nicht. Das beweist der als Collage intendierte Abend als Ganzes, der eine Menge Schräges zu bieten hat, darunter durchaus Reizvolles, und doch in einem ärgerlichem Maße unbefriedigend bleibt. Vollmundig versprochen war die "Filetierung eines Schubertschen Streichquartetts". Legt man die Definition des Vorgangs als "ein Vorbereitungsverfahren zur Entfernung ungenießbarer beziehungsweise unerwünschter anhaftender Teile" zugrunde, so ist der Untertitel nicht mehr als eine Attitüde. Produziert wird bestenfalls Gehacktes.

An der Musik liegt es nicht. Im Gegenteil. Die Musiker(innen) vom Dresdner Cherubim Quartett machen ihre Sache gut, schrecken nicht vor schrägen Tönen zurück, spielen a tempo oder retardiert, wiederholen die eine oder andere Stelle. Vor allem erobern sie als "Wandelmusik" den Bühnenraum selbst, wechseln musizierend die Standorte, sie sind es auch, die den Bezug zu den Schauspielern aufnehmen. Umgekehrt ist das leider kaum der Fall.

Dabei hat Claudia Engel (wie ihr Kollege vom Giebendorfer Flunkertheater) eigentlich beste Voraussetzungen für ein kraftvolles, emotionsreiches Spiel. Doch ist sie nicht nur äußerlich so überschminkt, dass sie sich quasi selbst ausbremst. Dennoch gelingen ihr immerhin einige eindrückliche (und makabre) Momente: Gleich zu Anfang als Mädchen, dem der Tod als kleine Gestalt hinter dem Suppentopf begegnet, in dem die Mutter rührt (schön, wie der Darstellerin auf offener Bühne die entsprechende Puppe angereicht wird). Oder wenn sie als Geliebte und Muse eines Fotografen von der Obsession ihrer Leidenschaft berichtet - im Duett mit dem Kassettenrekorder.

Ihr Partner, Matthias Ludwig, bleibt durchweg blass. Um Eindruck zu schinden, so scheint’s, bleibt ihm zuguterletzt nichts übrig, als sich einen Riesenpenis umzuschnallen. Stimmlich ist er ohnehin eine Katastrophe. Nicht etwa weil er sächselt, sondern weil er schlichtweg schlecht artikuliert.

Insgesamt wirkt das Stück intellektuell überfrachtet, die Motivation des Spiels bleibt ungewiss, gute Ideen werden ohne Sinn für Form verpulvert. Ein echter Hund, Boje, streunt mit Engelsflügeln über die Bühne. Das sieht witzig aus. Und? Das Thema Tod bleibt völlig an der Oberfläche. Der Tod und das Mädchen – hier die Geschichte einer verpassten Gelegenheit. Schade. Doch Schubert wird’s verschmerzen. Denn die Musik hält stand. Und vielen im Schauspielhaus gefällt’s, das zeigen vereinzelte Bravorufe.