Berlin (dpa) l Es gibt viele Dinge, für die Intendanten eines öffentlich-rechtlichen Senders zu wenig Zeit haben. Bücher schreiben gehört für Willi Steul dazu. Wenn der 66-Jährige am 31. August seinen letzten Arbeitstag als Deutschlandradio-Intendant hinter sich hat, soll das anders werden. Ein Sachbuch über die Staufer hat sich der promovierte Ethnologe bereits vorgenommen – und einen Roman über Dschingis Khan.

Mehr als acht Jahre war Steul Intendant beim Deutschlandradio mit seinen drei Programmen Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova. Zuvor war der Radio-Enthusiast unter anderem Redakteur beim Südwestfunk (SWF), ARD-Hörfunkkorrespondent für Griechenland, die Türkei und Zypern, von 1994 bis 1998 bereits Chefredakteur beim Deutschlandradio und anschließend stellvertretender SWR-Intendant.

Zum Radio gekommen ist Steul schon als Doktorand der Ethnologie. Die technischen Möglichkeiten seien im Vergleich zu damals viel besser geworden, sagt er. Aber mein erster Beitrag wäre heute wesentlich kürzer. „In meiner Zeit als Auslandskorrespondent war ein Standardbeitrag noch 4.30 lang“, erzählt Steul. Davon können viele Korrespondenten heute nur träumen.

Der Hörfunk hat nach Steuls Überzeugung durchaus Zukunft. „Das Radio wird ja seit vielen Jahren totgesagt, aber allein die Kultur- und Informationsprogramme haben sechs Millionen Hörer.“ Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova kommen zusammen bereits auf rund 2,4 Millionen tägliche Hörer. Dass immer mehr Menschen Radiobeiträge per App oder Podcast hören, ist aus Steuls Sicht keine bedrohliche Entwicklung, im Gegenteil, denn: „Die klassische Radionutzung geht deswegen nicht zurück.“

Druck wird zunehmen

Bei den Reformbemühungen der Öffentlich-Rechtlichen hätte es aus Steuls Sicht ruhig schneller gehen können. Dass die Sender jeweils eigene Abteilungen für IT, Gehaltsabrechnung und Einkauf haben, hält er schon lange für überholt. „Alles, was man gemeinsam machen kann, muss man gemeinsam machen. Für uns als kleines Haus ist die Kooperation mit ARD und ZDF bei Technik oder Buchhaltung quasi Teil unserer DNA“, so der Intendant.

Steul ist überzeugt, dass der Druck, durch Rationalisierung zu sparen, zunehmen wird. Dass sich durch solche Bemühungen ein höherer Rundfunkbeitrag ausschließen lasse, hält er aber nicht für realistisch. Für die Kritik am Rundfunkbeitrag zeigt er hingegen wenig Verständnis. Viele Länder beneideten Deutschland um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „Wir haben das breiteste Angebot – und sind dabei nicht am teuersten“, findet Steul.

Die in der ARD diskutierte Idee, den Rundfunkbeitrag gekoppelt an die Kostenentwicklung jährlich anzupassen, sieht allerdings Steul skeptisch. „Ich halte eine Institution wie die KEF [Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, Anm. d. Red.] für notwendig“, sagt der Deutschlandradio-Intendant. „Wenn wir alle diese geplanten Schritte bei IT, Einkauf und Gehaltsabrechnung gehen, dann lasst uns danach über so ein Modell reden. Aber derzeit würde ich davor warnen, diese Diskussion zu führen.“

Willi Steul muss sich über diese Themen demnächst nicht mehr den Kopf zerbrechen. Ab dem 1. September ist er im Ruhestand. Künftig will Steul einen Teil des Jahres in Südfrankreich verbringen, die übrige Zeit lebt er in Berlin und schreibt an seinem Buch.