Volksstimme: Mieze, ihr tretet heute Abend in Münster auf. Wie sehen so eure letzten Stunden vor der Show aus – oder anders gefragt: Wobei stör ich dich gerade?

Mieze Katz: Also Tagesziel der Tour ist immer, das beste Café der Stadt zu finden. Da hole ich mir gerne vorher Empfehlungen ein und mach mich dann auf den Weg. Ich komme gerade aus einem Café, sitze jetzt in einer Rösterei und gehe gleich für den Soundcheck ins Jovel (Münster Musicclub, Anm. d. Redaktion). Also mein Ziel ist für heute erreicht, und dieselben Pläne habe ich dann für Magdeburg.

In Magdeburg wart ihr nun schon ein paar Mal. Was macht die Stadt so für euch aus?

Nach Magdeburg kommen wir erstmal immer sehr, sehr gerne. Zu der Stadt haben wir eine ganz besondere Verbindung: Wir haben da unsere Zirkus-Tour eröffnet, und ich hab das erste Mal vor Publikum am Trapez gehangen. Vorher hatte ich ein Jahr lang Training, in Magdeburg war dann die Abschlussprüfung. Das werde ich nie wieder vergessen, es war die Mutprobe schlechthin, das begleitet dich dann immer mit einem ganz besonderen Gefühl.

Gibt es solche Mutproben auch auf der aktuellen Tour oder haltet ihr es etwas gemütlicher?

Wir bleiben insofern beim Thema Mutproben, dass wir neue Lieder spielen, die noch keiner kennt. Da weiß man nie, wie diese Lieder eigentlich ankommen: Tanzen die Leute weiter, schalten sie ab? Das ist dann schon so eine innerliche Berg- und Talbahnfahrt, eine Live-MiA.-Mutprobe.

 

Einmal ist das schon schiefgegangen, was ja ein ziemlich guter Schnitt ist. Da habe ich erstmal schön meinen Einsatz versemmelt. Aber man muss dann einfach von vorne anfangen. Das gehört ja auch dazu.

Ihr schreibt mittlerweile eure Texte gemeinsam. Was hat sich damit geändert, was haben die Jungs beigesteuert?

Tatsächlich stammen ganz wichtige Textideen von ihnen. Zum Beispiel der erste Satz von "Kopfüber", also der ersten Single des neuen Albums, von unserem Gitarristen Andi. Er meinte: "Ich hab da so einen Fantasietext, der kann aber noch nichts." Und bei der ersten Zeile hab ich gesagt: "Nee, traumhafte Zeile, Andi, daraus machen wir jetzt ein Lied."

Ich glaube, dass sie oft gar nicht gemerkt haben, was sie eigentlich an Schätzen in sich tragen. Als das anfing, dachte ich schon: "Scheiße, ich bin meinen Job in der Band los. Jetzt texten die auch noch!"

Was sind so die Themen, um die es bei den neuen Songs geht?

Es gibt da zum Beispiel dieses Lied, das heißt "Crash", mit dem Thema Streit, was der für eine Rolle in unserem Leben und unseren Beziehungen spielt. Und unabhängig voneinander haben Gunnar und ich sowieso an Texten dazu geschrieben, weil es uns beschäftigt hat. So saßen wir zusammen, er hat gesagt "Ich sitz da an so 'nem Text ..." "Gunnar, ich auch!" Zack! Und da war die Idee.

"Crash" und "KopfÜber" klingen nach Traumszenarien für Songschreiber, wo alles zusammenkam. Wie sieht der Prozess aus, wenn ihr eine Liedidee verwerfen müsst, wenn ihr merkt: Das wird vielleicht doch nichts?

Ja, da gibt’s wirklich viele, und ich würde sagen, man merkt das daran, dass sich die Gedanken im Kreis drehen. Man beißt sich manchmal durch, aber dann merkst du: Okay, das hier ist vergebliche Liebesmüh. Da kannst du sogar schon dreiviertel Text fertig haben und merkst aber: Das stimmt irgendwie nicht.

Wie habt ihr eure Songs für die Tour ausgewählt? Seid ihr da nach dem Motto "KopfÜber" gegangen, habt ihr Sachen genommen, bei denen ihr wisst, die ziehen immer beim Publikum?

Also wir haben Lieblingslieder, da besprechen wir vor der Probe: Was muss mit? Jeder brennt so für seine Titel. Und wir wussten auch, was wir vom neuen Album spielen wollen. Zu unserem 20. Jubiläum haben wir uns von unseren Freunden Interpretationen ihres liebsten MiA.-Lieds gewünscht. Diese Remixe spielen wir auch, die gehören für uns einfach mit auf die Bühne.

Stichwort Lieblingslieder: Gibt es auch ein paar Songs, von denen du sagen würdest: Die sind unterschätzt, die hätten mehr Anerkennung verdient?

Voll! Also "Blaue Flecken", finde ich, ist ein Riesenhit. "Kapitän": mega. "Hoffnung": supergeiles Lied. „"Sonne" hätte ein Riesenhit werden sollen. "Du" wird völlig unterschätzt, das spielen wir schon seit Jahren nicht mehr – total ärgerlich.

Und wo würdest du sagen: Das ist nicht mehr so der Megahit?

Das Gute bei denen ist, die kann man einfach weglassen. Auf irgendeiner wilden B-Seite war dieses Lied "Eine Insel" – von mir komponiert, eingespielt und gesungen. Das war so ein Panikmoment, wo alle meinten, wir brauchen noch eine B-Seite. Da habe ich dann meine große Chance gewittert und gesagt: "Okay, ich mach das bis Montag." Ich hatte damals noch keine Ahnung vom Recorden, und man hört etliche unfreiwillige Verzerrungen. Das Lied nervt hinten und vorne, das ist heute zum Totlachen.

 

MiA. tritt heute Abend in der Factory in Magdeburg auf. Ihr neues Album "Limbo" erscheint am 28. Februar 2020, am 30. April startet die neue Tour zum Album. Mehr Infos unter www.miarockt.de