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Internationaler Orgelwettbewerb endet mit Preisträger-Konzert im Magdeburger Kunstmuseum Junge Musiker ziehen alle Register

Von Renate Bojanowski 21.05.2013, 01:21

Anna-Victoria Baltrusch ist die Gewinnerin des fünften internationalen August-Gottfried-Ritter-Orgelwettbewerbes in Magdeburg. Beim Abschlusskonzert im Kunstmuseum beeindruckte sie mit einem Poulenc-Konzert in Begleitung der Philharmonie.

Magdeburg l Auf Initiative des deutschen Musikrates der Landeshauptstadt fand in der vergangenen Woche der V. Internationale August-Gottfried-Ritter-Orgelwettbewerb in Magdeburg statt. Er endete am Sonnabend mit dem Preisträgerkonzert in der Konzerthalle im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.

Junge Teilnehmer aus elf Ländern bewiesen ihr Können während eines anspruchsvollen Konkurses an vier Orgeln der Stadt. Während des Preisträgerkonzertes stand die als echte "Universalorgel" geltende Jehmlich-Orgel im Mittelpunkt, die mit ihrer modernen Setzeranlage über 256 Speicherkombinationen verfügt. Beste Voraussetzungen also, Orgelmusik aller Epochen adäquat zu interpretieren.

Den Abend gestalteten die ersten drei Preisträger. Der dritte Preisträger, der Italiener Simone Vebber, eröffnete mit der Toccata Nr. 12 aus dem Apparatus musico organisticus und einem zeitgenössischen Werk namens "Vision in Flames" von Akira Nishimura das Konzert.

Die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Instruments wusste Simone Vebber während des modernen Stückes durchgängig zu nutzen - er vermochte sachte zarte Klänge, brodelnden Donner, Sirenen und gar Schreie einzufangen. In Muffats Toccata wirkte die Registrierung nicht durchweg schlüssig aus der Substanz der Musik entwickelt, so dass selbst virtuose Passagen ein wenig breit und verwischt erschienen.

Die deutsche Annette Fabriz, die sich den zweiten Preis erspielt hatte, interpretierte Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564. Ihr kultivierter Interpretationsstil kam mit einer gewissen akademischen Nüchternheit daher. Sie beeindruckte mit ausgefeilter Technik und Virtuosität, kam doch das Pedalsolo in der einleitenden Toccata präzise. Etwas mehr Mut zur extravaganten Registrierung hätte dieser Lesart noch mehr Esprit verliehen.

Über den ersten Preis und den Sonderpreis für die beste Interpretation einer Ritter-Orgelsonate konnte sich Anna-Victoria Baltrusch (ebenfalls aus Deutschland) freuen. Mit ihrer Interpretation der 2.Orgelsonate e-Moll op.19 von August Gottfried Ritter ließ sie das Herz des Orgelliebhabers höher schlagen. Die an musikalischen Raffinessen reiche Orgelsonate wirkte ausgefeilt und stimmig. Sie lebte von Baltruschs abwechslungsreicher Gestaltung.

Ein großes Ausrufezeichen hinter den V. Magdeburger Ritter-Orgelwettbewerb setzte das Konzert für Orgel, Streicher und Pauken g-Moll von Francis Poulenc, das die erste Preisträgerin gemeinsam mit den Musikern der Magdeburgischen Philharmonie unter der Leitung von Michael Balke zum Abschluss spielte.

Hier wusste Anna-Victoria Baltrusch die sich beständig zwischen laut und leise bewegenden Momente nuancenreich und fein differenziert umzusetzen. Schön gestaltete sie den Wechsel zwischen machtvollen akkordischen Blöcken und barocken Figurationen, die sehr wohl an Bach erinnerten.

In den ruhigen Teilen des Werkes verstand es die Solistin, Ausdrucksreichtum und spielerische Leichtigkeit herauszustellen. Die begleitenden Musiker unterstrichen die Klangintensität liebevoll mit herrlich homogenem Streichergrund und originellen Akzentuierungen durch die Pauken. Dies honorierte das Publikum mit reichlich Beifall.