Auftaktkonzert zum Johannes-Brahms-Chorfestival im Halberstädter Dom Junge Sänger ganz groß
Zwei Chöre aus Kanada und Südafrika sangen am Mittwoch im Benefizkonzert zugunsten der Bahnhofsmission im Dom zu Halberstadt - noch vor der eigentlichen Eröffnung des 8. Internationalen Brahms-Chorfestivals und Wettbewerbs. Es war absolute Spitze!
Halberstadt l Die reinen Formen des gotischen Domes in Halberstadt brachten die Gäste zur Bewunderung. Ihre größtenteils sakralen Werke fanden hier den gebührenden Rahmen und faszinierten das Publikum im vollbesetzten Dom.
Den Auftakt setzte der Frauenchor "Belle Canto" aus Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta. Ein Spitzen-ensemble. Die 21 Sängerinnen hatten am Mittag noch in Köln konzertiert - nun, sechs Stunden später, in Halberstadt. Schon ihr Eröffnungstitel "Ave Maria" des kanadischen Gegenwartskomponisten David Macintyre ließ aufhorchen. Wie hingetupft wirkten Klangschichtungen und Cluster, schwollen auf und ab, klangen wie ein großes Kirchengeläut. Oder das "Alleluiah". Feinste Seelenregungen, ein Wechselgesang der Stimmen.
Allesamt assoziationsreiche Kompositionen, straff durch Chorchefin Heather Johnson und ihre Assistentin Elaine Myhre zusammengehalten. Oder ohne Dirigentin in Doppelchörigkeit interpretiert. Die Sängerinnen waren mit sich so sehr im Übereinklang, dass sie das perfekt konnten. Sie entwickelten Dynamik mit Atemgeräuschen, Summen, Zischen, Hecheln, in Vocalisen, in Rhythmen und Harmonien in gemäßigter Modernität - alles zum Lobpreis Gottes!
Überleitend improvisierte Domkantor Claus-Erhard Heinrich auf der Orgel über "Amazing Grace". Aus einem ganz leise schwebenden Ton des Manuals entwickelte sich eine rhythmische Musik voll jazziger Orgelklänge, um wieder im Pianissimo zu entschwinden. Eine berührende, fast philosophische Ausdeutung des Themas.
Den umjubelten Schlusspunkt setzte dann der südafrikanische "Magaliesberg Kinderkoor" aus Pretoria. 50 Jungen und Mädchen im Alter von acht bis 18 Jahren aus verschiedenen Schulen entfesselten im Dom ein Feuerwerk mit Chor- und Sologesang, mit choreografierter Bewegung, mit (vierhändiger) Klavierbegleitung und Trommeln und anderen Schlagwerkinstrumenten. Einfach mitreißend! Einfach toll! Dieser Chor dürfte schon jetzt einer der ganz heißen Anwärter auf den Publikumspreis des Brahms-Festivals sein!
Auch hier der Lobpreis Gottes - in spiritueller Zulu-Musik, in Kompositionen von Bobbie Mason, Eddie James, Felix Mendelssohn Bartholdy und Karl Jenkins. Die Dirigentin Hannelie van Sittert arbeitet sehr gestisch. Sie entlockte ihren Sängern schöne Sensibilität und gleichermaßen große Kraft - für einen Kinderchor hierzulande sehr ungewöhnlich. Und eine ungeheuer große Lust am Singen, der Bewegung und präzisester Rhythmik.
Ein außergewöhnlicher Abend - mit Mendelssohns "O beata et benedicta" für Kinder, mit Jenkins\' "Adiemus" auf afrikanisch. Was für ein Temperament! Welche Empfindsamkeit dieses Chores! Die Zuhörer riss es von den Sitzen!
Das Chorfestival läuft noch bis Sonntag, 21. Juli.