Wernigerode l Am Freitag (20. März 2020) veröffentlichte der Kammerchor Wernigerode sein Video. Nach und nach werden die Sänger, alles Ehemalige des Landesgymnasiums für Musik, zugeschaltet, man sieht sie vor dem Mikrofon in ihrem Zuhause. Ihre Stimmen werden ein Chor. Mehr als 40.000 Mal wurde der Gesang bisher gehört – bei Facebook, Youtube, Instagram. „Es ist für uns im Moment die einzige Möglichkeit, um auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Sprecherin Britta Richter. Eigentlich hatte der Chor am 21. März einen Auftritt geplant. Wie alles in diesen Corona-Zeiten wurde das Konzert abgesagt.

Eine andere Art zu musizieren

Für Jean-Philippe Apel, Initiator der Aktion und Vorstandsvorsitzender des Kammerchores Wernigerode, war das Video eine Herausforderung. Es sei schließlich nicht nur eine andere Art zu musizieren, sagt er: „Ich wusste nicht, was dabei rauskommt.“ Funktioniert solch eine Produktion mit den eigenen technischen Voraussetzungen überhaupt? Das Dirigat war auf Video zu sehen, jeder der Sängerinnen und Sänger hat sich dann selbst gefilmt. Verschiedene Video- und Tonspuren mussten anschließend zusammengefügt werden.

Wenn man jetzt mit Jean-Philippe Apel spricht, hört man die Erleichterung. Das Ergebnis kann sich sehen- und hörenlassen.

Ein enormer Aufwand

Fünf Tage hat er an dem Video gearbeitet, um die einzelnen Stimmen zu einem Gesamtklang zu formen. 75 bis 80 Stunden hat er investiert. „Der Aufwand ist enorm gewesen“, gibt er zu. „Was wir jetzt brauchen, ist Zusammenhalt und Mut, aus der aktuellen Situation das Beste zu machen und dafür zu sorgen, dass das Kulturleben weitergeht.“ Vielleicht, so wünscht sich Apel, sei das Video auch Motivation für andere Chöre, es den Wernigerödern gleichzutun. „Singen von zuhause als riesige Bewegung“, meint er. Warum nicht? Dieser Tage ist so vieles möglich.

Alle Chöre haben in diesen Wochen das Problem, dass nicht nur die Auftritte und damit die Einnahmen wegbrechen, sondern auch das Proben nicht möglich ist. Dabei steht das gemeinschaftliche Singen für soziale Kontakte, die dieser Tage so sehr gemieden werden sollen. Der Kammerchor jedenfalls will sich zukünftig virtuell zusammenfinden, startet in dieser Woche einen weiteren Testballon. Singen online, mit Konferenzschaltung.

Jemand singe vor und dann müsse man im stillen Kämmerlein für sich üben, sagt Apel. „Wir wollen unbedingt weiterproben.“ Für alle Beteiligten kein leichtes Unterfangen. 30 Aktive zählt der Kammerchor.

Das Ensemble braucht Einnahmen

Trotz der momentanen Isolationssituation schaut der Vorstandsvorsitzende nach vorn. Irgendwann werden Auftritte wieder möglich sein. Das Ensemble braucht Konzerteinnahmen für sein Großprojekt im kommenden Jahr. Eine CD soll produziert werden. Es ist eine Chor- und Orchesteridee in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Leipzig. Am Konzept wird gearbeitet.

Das Proben ist auch dafür wichtig. „Irgendwann treten wir wieder auf“, sagt Britta Richter. Man will fit sein in der Stimme für die Zeit nach Corona.

Der Kammerchor ist auf mehreren Plattformen im Internet aktiv: Facebook, Youtube und Instagram.