Halle/Merseburg l Mehr als 80 Jahre nach den ersten Farbfilmen sind schwarz-weiße Aufnahmen eher eine Seltenheit, mit der sich neuere Filme aber auch hervorheben. "Roma" und "The Artist" feierten Osar-Erfolge mit ihren Graustufen, während im deutschsprachigen Raum "Das weiße Band" oder "Oh Boy" aus dem bunten Rahmen fielen. So auch das Familiendrama "Der Geburtstag" von Carlos Morelli, der am 8. März auf den Merseburger DEFA Filmtagen lief.

Der Film folgt einem gestressten und geschiedenen Familienvater, Matthias, auf der Geburtstagsfeier seines Sohnes. Nach der Party bleibt eines der Kinder in der Wohnung, seine Mutter hat ihn scheinbar vergessen. Also muss Matthias den Jungen irgendwie nach Hause bringen, und merkt erst da, wie er seinen eignen Sohn bisher vernachlässigt hat.

Großstadt in Graustufen

"Der Geburtstag" lief zum Ende des Festivals, das in diesem Jahr unter dem Motto "Filmkulisse Mitteldeutschland" stand und Klassiker sowie neue Titel zeigte, die in der Region entstanden. Darunter fällt auch Halle, in dem "Der Geburtstag" komplett gedreht wurde: Etwa im Zoo, im Neuen Theater oder auf einem stimmigen, verlassenen Fabrikgelände. Die Stadt sei besonders für einen zeitlosen Look geeignet, erklärt Bildgestalter Friede Clausz. Dort sei "noch nicht alles so totrenoviert."

Bilder

Clausz stammt aus der Händelstadt und half dabei mit, geeignete Drehorte zu finden. "Wenn man jetzt aus so einer Stadt kommt, muss man natürlich den Blick ein bisschen schärfen", sagt er dazu. Viele der äußeren Locations stammten von ihm, für die Innenräume war ein "Location Scout" notwendig - ebenfalls eine Hallenserin.

Als Gestalter war Clausz für die Beleuchtung, Bildaufbau und andere Teile zuständig - kurz: Für den Look des Films, der von hellen, häuslichen Kulissen mit der Zeit in eine surreal anmutende Noir-Atmosphäre übergeht. Ohne Farbe zu drehen - eine Idee, die erst währned der Produktion kam - brachte ein paar besondere Herausforderungen mit sich: Hier sind Kontraste in der Kulisse und den Kostümen besonders wichtig, genau wie Muster. "Dass man nicht nur viele Flächen hat, sonst wird das in Schwarz-Weiß sehr langweilig", so Clausz.

Denn was sich in Farbe gut voneinander abhebt, kann in Schwarz-Weiß ineinander überlaufen. Für das richtige Aussehen gibt es daher incht nur eine Vor-, sondern auch eine Nachbereitung bei der Farbkorrektur: "Da sitzt man noch mal zehn Tage im Kino", sagt Clausz. Ein Stück konnte er sich schon während des Studiums vorbereiten - aus der Not heraus: "Da dreht man seine ersten Filme auf Super 16 mm schwarz-weiß, um genau diese Dinge zu lernen – weil die natürlich auch für den farbigen Film von Relevanz sind."

Nicht wirklich "typisch deutsch"

Regisseur und Autor Carlos Morelli kam 2008 aus Uruguay nach Deutschland, über den "Deutschen Akademischen Austauschdienst" (DAAD). Die Projekte, die er hier bekam, hielten Morelli in Deutschland.

Der Film baut auf Morellis eigenen Erfahrungen als Vater auf. Zwar wirkt "Der Geburtstag" mit seiner Besetzung und dem vertrauten Schauplatz auf den ersten Blick "typisch deutsch" - besonders Scheidungskinder dürften einige Situationen wiedererkennen - aber "das war nicht beabsichtigt", stellt Morelli klar.

Er geht sogar so weit, zu sagen: "So etwas wie einen deutschen Film gibt es nicht." Der Film soll Leute weltweit ansprechen, nicht nur hier. "Deutsche hatten Anschluss (an den Film). Diese Erfahrung hatten aber auch Leute in China und Frankreich", wo der Film schon auf Festivals lief. "Bei den Filmen, die du magst, ist dir egal, wo sie herkommen. Du schließt eine Verbindung zu ihnen."

"Der Geburtstag" startet am 28. Mai in ausgewählten deutschen Kinos. Vorher, zwischen dem 18. und 28. Mai, findet eine Premiere in Halle statt. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Verleihs Wfilm.