Magdeburg l Sonntag, ganz zeitig in der Frühe, geht es los. Mit dem Zug nach München. Ins Studio. Ab 14 Uhr wird geprobt. Am Dienstag dann stehen Bach und Pölitz im ZDF vor der Kamera, live. Die Anspannung steigt, sagt Pölitz. Obwohl beide jede Menge Fernseherfahrung haben. Aber „Die Anstalt“, sagt Pölitz, sei der Ritterschlag, ein Auftritt sei etwas ganz Besonderes. Für den „Zwickmühle“-Gründer ist es „die beste Satire-Sendung, die im Öffentlich-Rechtlichen läuft“.

Er habe große Ehrfucht gegenüber der „Anstalt“, wie einst auch gegenüber dem „Scheibenwischer“ mit dem legendären Dieter Hildebrandt. Hans-Günther Pölitz spielte 1994 bis 1995 im Ensemble der „Lach und Schieß“. In der „Anstalt“, seit Februar 2014 Nachfolger der Kultsendung „Neues aus der Anstalt“, war der Kabarettist noch nie zu Gast.

Drei Leute geben Gedanken vor

Doch Erfahrung hebe nicht automatisch das Lampenfieber auf, sagt der 67-Jährige. Auch wenn der Blick in die Kamera etliche Jahre zum Pölitz-Bach’­schen Kabarett-Geschäft gehört hatte – Pölitz war zehn Jahre im MDR-TV-Kabarett „Die 3 von der Zankstelle“ zu sehen, Bach immerhin vier Jahre. Und trotzdem sei das Lampenfieber nie weg – weder auf der Bühne im eigenen Kabaretthaus noch vor laufender Kamera. Schon gar nicht abends im ZDF.

Doch es ist nicht nur das Wissen darum, in allen Wohnzimmern dieser Republik gesehen werden zu können, oder die ganz andere Atmosphäre des Studios in München, was den Puls nach oben treibt. Da ist auch der Text, der heute ganz frisch vorliegt und jetzt gelernt werden muss. Pölitz nennt es mit Blick auf die sparsamst verfügbare Einprägzeit „knapp vor spitze“. Das Textbuch für die Sendung wird von den „Anstalt“-Protagonisten Max Uthoff und Claus von Wagner geschrieben, zudem von Dietrich Krauß, dem Mann im Hintergrund. Drei Leute also geben fertige Gedanken vor.

Kein Problem für den Schreiber Pölitz, der seinen eigenen Programmen den Satire-Stempel aufdrückt? Pölitz verneint, spricht vom Grundvertrauen in das Team. Zudem kenne man Uthoff. Der frisch gekürte Träger des Deutschen Kabarettpreises trat auf Einladung der „Zwickmühle“ schon mehrfach in der Landeshauptstadt auf. Ein Wagnis für Bach und Pölitz sei das Einlassen auf ein Textbuch also keineswegs, vielmehr seien die beiden aus Sachsen-Anhalt Neuland für die „Anstalt“-Macher. Ostkabarettisten habe man dort nicht oft auf der Bühne, sagt Pölitz. Aber das Hauptthema Treuhand, das sich durch die 45-minütige November-Sendung ziehen wird, wollten Uthoff, von Wagner und Krauß dann doch nicht ohne satirische Schärfe aus dem Osten auf die Bühne bringen. Zumal vom Kabarett-Duo Bach/Pölitz auch ein Ausschnitt aus dessen aktuellem „Zwickmühlen“-Programm vorgesehen ist. Ossi und Wessi werden dann aufeinander treffen.

Wie viel Auftrittszeit und wann – noch ist vieles eine Unbekannte für die Geladenen. Gäste sind in dieser Sendung auch „Zärtlichkeiten mit Freunden“, ein Kabarett-Duo aus Riesa in Sachsen.

Die Zugfahrt nach München am Sonntag dauert einige Stunden. Entspannung gibt es da für die Zwickmüller nicht, vielmehr Zeit, das Manuskript zu erarbeiten, Text zu lernen. Dienstag um 22.15 Uhr muss alles sitzen.

TV-Sendetermine: Im ZDF am Dienstag, 5. November, ab 22.15 Uhr; auf 3sat am Sonntag, 10. November, 20.15 Uhr, und auf ZDF neo am 12. November, 2.30 Uhr.