Berlin (dpa) l Wade Wilson (Ryan Reynolds) alias Deadpool ist ein ziemlich untypischer Superheld: Sein Anzug ist schäbig, seine Moral fragwürdig, seine Kampfkünste eher beschränkt. Was er gut kann: Witze reißen und sich über alles lustig machen. Das ist ein Rezept, das in der Marvel-Produktion „Deadpool“ gut aufging: 2016 spielte der Actionfilm weltweit mehr als 750 Millionen Dollar ein. Nun kommt Teil zwei in die Kinos – und baut all das, was seinen Vorgänger unter der Vielzahl an Comic-Verfilmungen herausstechen ließ, noch aus.

Da ist der vulgäre Witz und die Ironie, die man aus großen Superheldenfilmen nicht kennt. Deadpool macht sich nicht nur über sich selbst lustig, sondern auch über seinen Darsteller Ryan Reynolds, über andere Marvel-Produktionen („Wolverine“) oder Disney-Filme („Die Eiskönigin“).

Besondere Fähigkeiten

In „Deadpool 2“ muss Wilson ein Kind mit besonderen Fähigkeiten retten. Russell (Julian Dennison) hat wie Wilson selbst übernatürliche Kräfte. Er steckt in einer geschlossenen Anstalt fest, die Kinder wie ihn disziplinieren will. Das ist aber nicht die einzige Bedrohung: Der Mutant Cable (Josh Brolin) will Russell töten – weil dieser in der Zukunft Cables Familie ausgelöscht hat.

Um Russell zu retten, gründet Wilson die „X-Force“, eine Versammlung schräger Antihelden. Bis auf die Superheldin Domino (Zazie Beetz) versagen sie alle schon beim ersten Coup.

Dann kommen doch die „X-Men" zur Hilfe – und beim Versuch, Russell zu retten, passiert viel Brutales und Witziges. Manchmal wendet sich Wilson wieder direkt ans Publikum, kommentiert einzelne Szenen. Immer wieder beschleicht einen das Gefühl, dass „Deadpool 2“ in mancher Hinsicht noch radikaler hätte sein können.

Sexistische Tendenzen werden ironisiert

So betonte der Co-Autor des Comics, Fabian Nicieza, in der Vergangenheit Deadpools offene Sexualität. „Er kann in einer Minute schwul sein, in der nächsten hetero“. Das ist im Comic angelegt – Deadpool hätte also auch auf der Leinwand zum queeren Superheld avancieren können. Das hätte zur Haltung der Filmemacher gepasst, die in Interviews betonten, nichts sei beim Schreiben tabu gewesen. Doch im Film versandet die Homoerotik Wilsons in platten Witzen, während die unsterbliche Liebe zu seiner Freundin Vanessa (Morena Baccarin) der Motor des Plots ist. Hinzu kommt, dass Deadpool sich wiederholt über den Rassismus Hollywoods lustig macht – und auch über den seines eigenen Films. So ironisiert Wilson den klischeehaften Akzent des indischen Taxifahrers Dopinder (Karan Soni). Trotzdem spielt dieser eine dümmlich-naive Rolle – auch im zweiten Teil. Dass die dunkelhäutige Domino als wahre Heldin nicht die Rolle des „odd black guys“ (übersetzt etwa: seltsamen schwarzen Typen) spielt, ist erfreulich – auch sie selbst stellt es erleichtert fest. Warum aber muss das extra betont werden?

Am Ende empfiehlt Wilson Cable mit einem Augenzwinkern, in Zukunft nicht auf die Hautfarbe, sondern auf den Charakter der Menschen zu achten. Rassistische und sexistische Tendenzen werden aber nicht dadurch aufgelöst, dass man sie bedient und gleichzeitig ironisiert. Im Gegenteil: Die Ironie immunisiert sie auch noch gegen Kritik. War ja schließlich nicht ernst gemeint. So ist Deadpool ein erfrischend witziger Actionfilm, doch in dieser Hinsicht bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück.