Kleine Kantorei groß mit Händel
Von Renate Bojanowski
Magdeburg l Mit ungefähr zwanzig Konzerten im Jahr ist die Biederitzer Kantorei viel unterwegs. Die meisten davon finden im Rahmen des "Biederitzer Musiksommers" statt. Letzterer hat sich mittlerweile auch außerhalb des kleinen Ortes einen Namen gemacht. Mit dem Konzert am Sonnabend in der Magdeburger Pauluskirche sorgten die Damen und Herren um Michael Scholl einmal mehr für Furore.
Auf dem Programm stand das Oratorium "Athalia" für Chor, Soli und Orchester von Georg Friedrich Händel. Dies gilt als sein erstes großes Oratorium in englischer Sprache.
Für die Aufführung dieses außergewöhnlichen Werkes hat sich die Biederitzer Kantorei von der "Cammermusik Potsdam" und den Solisten Grit Wagner, Heidi Maria Taubert, Shirley Radig (alle Sopran), Hagen Matzeit (Altus), Friedemann Büttner (Tenor) und Tobias Müller - Kopp (Bass) unterstützen lassen.
Die "Cammermusik Potsdam" musizierte vom ersten Augenblick an selbstbewusst und entfaltete bereits in der Ouvertüre eine wunderbare Klangvielfalt. Besonders aus dem Basso continuo erhoben sich immer wieder neue Nuancen, die dem Gesamtklang Plastizität gaben. Das engagiert aufspielende Kammerorchester fand insgesamt eine gute Balance zu den Stimmen.
Anrührend und jubilierend präsentierte sich der Chor
Der Chor präsentierte sich anrührend und bewegend, jubilierte und weinte - mal als Volk, mal als Masse oder als Corps der Jungfrauen. An ihn richteten sich die Heldinnen, Priester und Schurken.
Die Stimme des Abends verkörperte Heidi Maria Taubert in der Rolle der Josabeth. Ihr gestochen klarer Sopran bezauberte durch makellose Anmut und herrlich artikulierte Verzierungen. Grit Wagner zeigte als Athalia deutlich die angsterfüllte Seele und die Dramatik in der Person. Als ausgesprochen wandelbar präsentierte sich Hagen Matzeit in seiner Rolle als Joad. Welch ein Ausdruck von Schmerz. Friedemann Büttner wartete mit schönem leichten Tenor auf und rückte seine lyrische Ader in den Vordergrund. Wunderbar präzise formte Tobias Müller-Kopp die Verzierungen in seinen Arien. Die Sopranistin Shirley Radig alias Enkel Joas komplettierte diese hochkarätige Riege.
Michael Scholl musizierte das opulente Werk allzeit hingebungsvoll und unglaublich durchsichtig. Händels Prachtmusik glänzte, mal süffig, mal zu Herzen gehend, mal knallig und effektvoll. Wie singt der Hohepriester Joad zum Schluss: "Ja, mein redliches Bemühen lohnt der Himmel gnädig mir, und noch schöner wird es blühen, dieses Glück, teil ich\'s mit dir."