Heute startet "Das verflixte 3. Jahr" in den Kinos / Regiedebüt eines Bestsellerautors Kleiner Gockel und eine heiße Braut
In der eitlen Liebeskomödie "Das verflixte 3. Jahr" bespiegelt Bestsellerautor Frédéric Beigbeder seine eigenen Kapriolen.
Berlin (dapd) l Als seine Ehe im dritten Jahr geschieden wird, schreibt der Pariser Literaturkritiker Marc Marronnier unter Pseudonym ein wütendes Pamphlet über die Unmöglichkeit der Liebe. Während sich das Buch zum Bestseller entwickelt, findet er in der bezaubernden Alice prompt seine große Liebe. Doch seine uninformierte Traumfrau hält den Roman für das Werk eines "spätpubertären Vollidioten". Nun sitzt Marc tief in der Patsche.
Frédéric Beigbeder verfilmte mit "Das verflixte 3. Jahr" seinen eigenen Roman "Die Liebe währt drei Jahre". Der ehemalige Werbetexter, der mit seinem Erfolgsroman "Neununddreißigneunzig" (2001), in dem er mit der zynischen Werbebranche abrechnete, auch hierzulande bekannt wurde, liefert ein formal schmissiges Regiedebüt ab.
Zu Beginn macht er im Zeitraffer Marcs bitterböse Erkenntnis - "Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf" - anschaulich.
Nach dem Ende seiner Ehe sumpft der Szenejournalist voller Selbstmitleid in Bars herum, erinnert sich aber auch an jene bezaubernde Alice, Frau seines Cousins, die er ausgerechnet auf einer Beerdigung kennengelernt hatte.
Und während Marc erfolgreich einen Eroberungsfeldzug startet, findet er zugleich eine Verlegerin für sein Buch, das unerwartet die Bestsellerlisten hochklettert. Lange kann er vor Alice, die das Buch ganz grässlich findet, seine Autorenschaft nicht geheim halten.
Die folgenden Konflikte und der Parcours zum Happy End sind zwar vorhersehbar. Doch Beigbeder gelingt es mit formalen Kunststückchen, aber auch mit Anleihen bei Woody Allen über die Nouvelle Vague bis zu zotigen US-Komödien, die Aufmerksamkeit wach zu halten. Er zitiert sogar ein Dutzend echte Starintellektuelle vor die Kamera, die ihren Senf zu Marc abgeben.
Beigbeder, dessen Romane stets autobiografisch geprägt sind, hat sich längst als Marc geoutet: "Das bin ich. Nur noch viel schlimmer! "
Tatsächlich bekommt Marc den Prix de Flore verliehen, den Beigbeder einst selbst gestiftet hat. Mit einem Kunstgriff nimmt der Regisseur, dem nebenbei eine kleine Satire auf das Verlagswesen gelingt, die Kritik an seinen Selbstbespiegelungen vorweg.
Flotte Machart kann den Zynismus nicht verbergen
Nicht nur Alice überzieht den Roman mit saftigen Beschimpfungen. Auch Marcs Lektorin - die wunderbare Valérie Lemercier aus "Ziemlich beste Freunde" - macht ihrem verdatterten Autor herrlich vergiftete Komplimente. Doch es hilft nichts: Sogar die Selbstironie von Beigbeder ist selbstgefällig. Die flotte Machart kann die Eitelkeit und den Zynismus, mit dem er diese formelhafte Romanze anrichtet, nicht verbergen. Denn nichts unterscheidet Marcs neue Liebe von der vorigen - außer dass der Preis ein wenig heißer ist, weil Alice ihrem Ehemann abgejagt werden muss.
Der inhaltliche Leerlauf passt zum Antihelden; auch er bleibt ein, wenn auch unterhaltsamer, Egomane. Allerdings ist Hauptdarsteller Gaspard Proust, der optisch an François Truffauts Nouvelle-Vague-Antihelden Antoine Doinel erinnert, längst nicht so charmant wie dieser. Entsprechend unterbelichtet bleibt die heiße Braut Alice - (Louise Bourgoin), die nie über die Rolle der Stichwortgeberin für Marcs Kapriolen hinauskommt. "Tu\'s nicht, Alice", fleht man innerlich, wenn die Drehbuchkonvention von ihr verlangt, sich mit dem kleinen Gockel zu versöhnen: eine gleichermaßen amüsante wie ärgerliche Liebeskomödie.
"Das verflixte 3. Jahr", Frankreich 2012, 100 Minuten, FSK: 12, Verleih: Prokino, Regie: Frédéric Beigbeder, Darsteller: Gaspard Proust, Louise Bourgoin, Joey Starr