Der Profi-Kletterer Stefan Glowacz erzählt in der Multimediashow " Expeditionen " von seinen Erlebnissen in Venezuela und Nepal. Im Herbst kommt der Abenteurer nach Magdeburg. Klettern hinterm Regenbogen
Biber : Herr Glowacz, Sie wollten die Expedition nach Venezuela, an den Tafelberg Roraima Tepui, eigentlich zu dritt vollenden. Mit Holger Heuber und Kurt Albert. Dann ist Kurt Albert im Herbst 2010 beim Klettern in der Fränkischen Schweiz tödlich verunglückt. Es war sicher schwer, nun zu zweit weiter zu machen.
Stefan Glowacz : Im Frühjahr hatten wir die ersten sieben Seil längen noch m it Ku r t Albert durchstiegen. Als wir die Expedition wegen des schlechten Wetters abbrechen mussten, haben wir Material zurückgelassen. Nun, bei unserer Rückkehr hing noch Kurts Helm in der Wand. Es war, als wäre er irgendwie da ? und eben doch nicht. Holger und ich haben aber kaum über die Situation gesprochen. Als wir zur siebten Seillänge gekommen sind, herrschte Stille.
Biber : Hat diese Belastung die Expedition zu Ihrer vielleicht schwierigsten gemacht ?
Stefan Glowacz : Emotional sind wir bei jeder Unternehmung gefordert. Es zehrt an den Nerven, wenn zum Beispiel das Wetter nicht mitspielt oder ungeplante Schwierigkeiten auftreten. Das alles aber ist mit der Belastung in Venezuela nicht zu vergleichen. So gesehen war die Expedition mit Sicherheit eine der schwierigsten.
Biber : Ihren ersten Besteigungsversuch der Wand La Proa des Tafelbergs Roraima Tepui mussten Sie wegen des schlechten Wetters abbrechen. Hat dieses Mal nur die Sonne geschienen ?
Stefan Glowacz : Ganz im Gegenteil. Wir konnten die Uhr danach stellen : Täglich hat es ab Mittag geschüttet und geschüttet. Sintflutartig schoss innerhalb von kürzester Zeit das Wasser vom Berg herunter, in riesigen Wasserfällen. Es war permanent nass.
Biber : Wie lässt sich da klettern ?
Stefan Glowacz : Wir waren jedes Mal froh, wenn wir in der Wand waren. Denn das war der einzig trockene Ort. Alles war nass und feucht : die Kleidung, die Haken, das Seil, nur nicht der Fels. Die Route, die wir durch die Wand gewählt hatten, war in den letzten neun Seillängen so überhängend, dass das Wasser hinter uns vorbeigeschossen ist. Zum Teil war es so laut, dass Holger und ich uns nur über lautes Schreien verständigen konnten. Es war bizarr.
Biber : Sie haben von Anfang an gesagt, Sie wollen die Expedition im Sinne von Kurt Albert vollenden. Warum haben Sie die Route " Behind the Rainbow " genannt ?
Stefan Glowacz : Das war in erster Linie Holgers Idee. Er hat nach der Erstbegehung an ein Bild gedacht, das er auch bei seinen Vorträgen immer wieder verwendet. Es zeigt Kurt, wie er scheinbar einen Regenbogen nach oben stemmt. Und Holger meinte zurecht : Das Leben von Kurt war so bunt und schillernd wie ein Regenbogen. Er war etwas Besonderes. Und das ist die Route auch., Behind the Rainbow ? passt perfekt.
VITA
Stefan Glowacz ist ein Profi-Bergsteiger und Extrem-Kletterer. 1993 beendete er nach seinem Vizeweltmeistertitel die aktive Wettkampfkarriere und widmet sich seitdem den natürlichen Herausforderungen im Felsklettern an den entlegensten Wänden der Welt.