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Komödie um beginnende Demenz: Nicht schon wieder Rudi!

In der Komödie Nicht schon wieder Rudi! sucht Klaus verzweifelt seinen Hund. Seine Freunde helfen ihm. Dabei ist Rudi längst tot, wozu also die Aufregung?

Von Iris Auding, dpa 09.10.2015, 12:29

Berlin (dpa) - Bernd, Klaus und Peter sind drei Freunde, die mitten im Leben stehen. Sie treffen sich, um mehrere Tage zusammen zu angeln. Bernd geht es vor allem ums Fischen, deswegen passt es ihm gar nicht, als der junge Murat ins Auto steigt.

Klaus will ihm eine Lektion erteilen, denn Murat hat seiner Tochter das Herz gebrochen. Das gerät in dem Debütfilm Nicht schon wieder Rudi! (Regie und Buch: Ismail Sahin und Oona-Devi Liebich) schnell in den Hintergrund. Denn Klaus verhält sich plötzlich sehr merkwürdig, er scheint alles zu vergessen.

Erste Anzeichen gibt es bereits auf der Fahrt zu der Hütte am See: Erst hat Klaus (Oliver Marlo) sein Handy Zuhause liegen lassen, dann holt er seine Sachen nicht aus dem Kofferraum, schließlich ist der Autoschlüssel weg. Als Klaus am nächsten Morgen dann verzweifelt nach seinem geliebten Hund Rudi fragt, reagieren Bernd (Matthias Brenner), Peter (Frank Auerbach) und Murat (Ismail Sahin) ungläubig, denn Rudi ist schon lange tot. Hängt das mit der Schaukel zusammen, die Klaus am Abend zuvor an den Kopf bekommen hat? Oder ist das Teil seines Plans?

Das Wort Demenz oder Alzheimer fällt kein einziges Mal. Die Freunde kommen zunächst überhaupt nicht auf die Idee, dass Klaus krank sein könnte. Erstaunt und fassungslos spielen sie mit: Hängen Flugblätter mit Rudis Foto auf, versuchen Klaus mit einem zweiten Schlag auf den Kopf zur Besinnung zu bringen. Werden immer unsicherer, als das nichts hilft und Klaus in Unterwäsche durchs Dorf irrt. Werden wieder zuversichtlicher, als der sich selbst über seinen Aufzug wundert und scheinbar wieder normal am Herd steht.

Als Rauch aus der Hütte kommt, Klaus nicht mehr Murat erkennt und fast ertrinkt, weil er nicht mehr weiß, wie man schwimmt, wird den anderen langsam klar, dass Klaus ein ernsthaftes Problem hat. Nicht schon wieder Rudi! gelingt es gut, die Verunsicherung und Hilfslosigkeit von Bernd, Peter und Murat wiederzugeben. Die Botschaft des Films ist banal: Auf deine Freunde und deren Unterstützung kommt es an.

In die Tiefe geht die Komödie nicht, darum geht es hier wohl nicht. Und dafür gibt es auch zu viele Nebenstränge - die Romanze zwischen Murat und dem Dorfmädchen Sophie (Oona-Devi Liebich) sowie Peters Gefühle für Murat. Regisseur und Darsteller Sahin will vor allem zum Nachdenken anregen.

Die Themen Alzheimer und Demenz sind im Kino längst angekommen: Til Schweiger drehte Honig im Kopf, etwa sieben Millionen Menschen sahen die Alzheimer-Tragikomödie mit Dieter Hallervorden in der Hauptrolle. Beim Deutschen Filmpreis gab es die Goldene Lola für den besucherstärksten Film des Jahres. Auch Still Alice erzählt von der tückischen Krankheit, Hauptdarstellerin Julianne Moore bekam dafür einen Oscar.

Nicht schon wieder Rudi!