Sie starteten das Großprojekt Deutsches Wörterbuch, viele kennen sie aber nur wegen "Rotkäppchen" und Co: die Brüder Grimm. Während vielerorts 200 Jahre Märchen gefeiert werden, zeigt ein Museum in Haldensleben das reale Leben von Wilhelm und Jacob.

Haldensleben (dpa) l Eine Ausstellung zu den Brüdern Grimm und dann geht es nicht um Märchen? Während an vielen Orten in Deutschland das erstmalige Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen vor 200 Jahren groß gefeiert wird, zeigt das Stadtmuseum Haldensleben (Landkreis Börde) das Leben und die Arbeit der Grimms und ihrer Familie. "Wir sind kein Märchenmuseum", sagt Museumsleiter Ulrich Hauer. Auch die Aussicht auf ein paar Touristen, die sich für Märchen begeistern, bringt Hauer nicht davon ab. Von Inszenierungen hält der grauhaarige Bartträger nicht viel und stellt klar: Hier in Haldensleben sind die Brüder nie gewesen.

Enkelin überließ ihre Sammlung dem Museum

Die Stimme der Frau, die dem Museum in Haldensleben den Nachlass beschert hat, schallt heute auf Knopfdruck aus zwei Lautsprechern. Albertine Plock war die Enkelin von Wilhelm Grimm. Sie lebte unweit von Haldensleben in Althaldensleben und vermachte dem Museum 1963 die Sammlung mit Büchern, Kleinmöbeln und Kleidung der Grimms und ihrer Nachfahren. In der Aufnahme aus dem Jahr 1966 bedauert sie sehr, den Namen Grimm nicht zu tragen. Zumindest wollte sie das Erbe der Familie gut aufgehoben wissen.

Bilder von "Rotkäppchen" oder dem bösen Wolf sucht man im liebevoll hergerichteten Kreismuseum Haldensleben vergeblich. Dafür erhalten Besucher ein umfassendes Bild davon, wie Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) lebten. Ein großer Teil ihrer Bibliothek etwa steht in einer Vitrine, ein kunstvoll bestickter Frack Jacobs und Möbel, die in der Grimm\'schen Wohnung in Berlin standen. Dazu gehören eine Biedermeiervitrine mit Porzellan und Glas, das die Familie benutzte, eine Standuhr und ein Tischchen. Eine Porträtbüste von Goethe blickt den Besucher an.

Eines der wertvollsten Ausstellungsstücke ist ein Handexemplar des Deutschen Wörterbuchs - fast so groß wie zwei Schuhkartons. Die Seiten haben einen weißen Rand für Notizen, erklärt Hauer. Darüber wachen zwei Büsten der Brüder. Das Geschwisterpaar begann 1838 mit dem größten und umfassendsten Wörterbuch - fertiggestellt wurde es lange nach seinem Tod im Jahr 1961. Wilhelm und Jacob hatten das Ziel, Herkunft und Gebrauch jedes deutschen Wortes zusammenzutragen. Mehr als 1200 Buchtitel aus der Bibliothek von Jacob und Wilhelm Grimm und dessen Sohn Hermann Grimm gehören zum Bestand des Museums, ebenso handschriftliche Notizen und Briefe sowie Fotos.

Ein paar Stellen an einer Wand sind leer. Die Exponate seien an die Staatsbibliothek Berlin ausgeliehen, sagt Hauer. Darunter sind ein Druckstein mit dem Porträt Jacob Grimms und eine gehäkelte Geldbörse. Auch der Frack, der die Besucher der ständigen Ausstellung empfängt, wird voraussichtlich für die hessische Landesausstellung nach Kassel (27. April bis 8. September) ausgeliehen. 2013 jähren sich auch die Todestage von Jacob Grimm (20. September) und des "Malerbruders" Ludwig Emil Grimm (4. April) zum 150. Mal.

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