Nach der erfolgreichen Wiederaufführung des Musiktheaterprojektes "Eine Odyssee" mit Magdeburger Jugendlichen am Sonnabend im Schauspielhaus, gastierten am Mittwoch das MDR-Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Lawrence Renes und der Schauspieler Manfred Karge im Rahmen des 3. Impuls Festivals für Neue Musik in der Landeshauptstadt.

Magdeburg. Es war ein wirklich spektakuläres Programm, welches das MDR-Sinfonieorchester für sein Magdeburger IMPULS-Konzert vorbereitet hatte. Als Dirigent kam der Holländer Lawrence Renes in die Johanniskirche und es gab auch einen Solisten, den Schauspieler Manfred Karge.

"Reise ins Licht" war das Programm überschrieben, und tatsächlich war eine Zeitreise, musikalisch und literarisch zu erleben.

Die Musikstücke wirkten so, als wären sie genau für eine solche Reise komponiert, eines das andere fortsetzend, voller Spannung sich steigernd. Das Programm begann mit Richard Wagners Parsifal-Vorspiel. Das MDR-Orchester musizierte wunderbar plastisch und farbenprächtig, so dass Wagners Musik ebenso klanggewaltig wie filigran mit feinsten dynamischen Nuancierungen erklang.

Sprachgewaltig und sehr emotional

Wagners ganzes Bühnenweihfestspiel in seiner psychologischen Vielschichtigkeit, von der Rastlosigkeit des Suchens über die Phantasmagorien der Zauberei bis hin zur lichten Heilserwartung, lässt sich im Vorspiel bereits erahnen, und es gelang dem Dirigenten auch in der Johanniskirche eine fast andächtige, vor allem aber emotional sehr bewegende Stimmung zu verbreiten.

In diese Stimmung hinein las Manfred Karge die "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei" von Jean Paul. Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, hat diesen sehr metaphorischen und auf die Aufklärung anspielenden Text in seinem Roman "Siebenkäs" 1796/97 geschrieben als einen wirren, aber auch sehr packenden Traum, in dem die Erkenntnis, "dass kein Gott sei" sprachgewaltig und sehr emotional ausfabuliert wird.

Der Schauspieler hat ihn ausgesprochen packend vorgetragen bis wieder Musik einsetzte.

Die Komposition von John Adams "The Amfortas Wound", 1985 geschrieben, bezieht sich unmittelbar auf Wagners Musik, sie zitiert Wagner, setzt sich dann aber ab. Adams spielt mit dem Amfortas-Motiv, verändert erst die Klangfarben, die Motorik, dann die harmonischen und disharmonischen Schichtungen.

Das musikalische Bild der Wunde wird bei Adams zu einem klanggewaltigen "Aufschrei", mehrmals wiederholt und verdichtet, unterbrochen von lichten, aber fernen Glockentönen. Die Steigerungen scheinen schließlich fast kosmologische Größe anzunehmen, packend und schön.

Französische Grazie und Eleganz

Das stürzende Weltgebäude, wie es in Jean Pauls Text erscheint, stimmt genau mit dieser Musik zusammen und Karge hat in seiner Lesung sogar die Bewegung, die Spannungsbögen der vorausgegangenen Musik bewusst oder unbewusst übernommen. Ohne Pause setzt wieder Musik ein.

Der französische Komponist Guillaume Connesson, dessen Orchestermusik im Mittelpunkt des diesjährigen Impuls-Festivals steht, hat sich in seiner "Supernova" auch mit dem oder eben einem anderen kosmologischen Weltgebäude auseinandergesetzt.

Auch diese Musik packt und begeistert mit Kraft, mit hinreißendem Klangfarbenspiel, ja auch, bei aller orchestralen Wucht, mit typisch französischer Eleganz und Grazie. Es gibt natürlich Steigerungen und harmonische Verdichtungen auch hier, aber niemals wird diese Musik kalt und schrill.

Im Gesamteindruck, im rhythmischen und formalen Wechsel der Klanggestalten nimmt namentlich dieses Werk die Zuhörer tatsächlich mit auf eine "Reise ins Licht".

Als am Ende applaudiert wurde, waren alle Zuhörer sehr bewegt und begeistert, aber leider haben sich bedauerlich wenige Musikfreunde auf diese sogar kostenlose Reise aufgemacht. Jeder, der nicht dort war, hat wirklich ein einmaliges, spannendes, schönes und großartiges Konzert mit wunderbaren Künstlern versäumt.

Aber Impuls ist noch zu erleben, heute in Schönebeck, am 9. November mit einem Tanztheater und am 21. als Abschluss noch einmal mit der Odyssee im Stendaler Theater der Altmark.