Mit vier Erstaufführungen und einem Festakt starteten die 12. Internationalen Fasch-Festtage im Katharina-Saal der Zerbster Stadthalle am Donnerstag.

Zerbst l Das Ensemble Les Amis de Philippe unter Leitung von Ludger Rémy präsentierte unter dem Titel "Johann Friedrich Fasch als Wegbereiter des klassischen Stils" ein unterhaltsames und recht freudbetontes Konzert mit insgesamt fünf Fasch-Werken aus dessen vorwiegend späteren Schaffensjahren zwischen 1730 und 1755.

Es ist dem Jenaer Musikwissenschaftler Prof. Dr. Manfred Fechner zu verdanken, dass, wie es im Programm heißt, "eine von Fasch kreierte musikalische Form endlich ins rechte Licht" gerückt wurde. Für diese bislang als Ouverturen-Suiten eingeordneten Kompositionen, die eigentlich eine "Mixtur" aus Ouvertüre mit nachfolgendem Mittel- und Schlusssatz nach "Sinfonienart" darstellen, bietet sich besser der Gattungsbegriff "Ouverturen-Sinfonie" an.

Das Publikum hatte mit den von Manfred Fechner aufführungspraktisch eingerichteten Ouverturen-Sinfonien nun ein nachhaltiges Musikerlebnis. Musik auf historischen Instrumenten ist allein schon ob deren spezifischer Klangfarben ein besonderer Hörgenuss. Zudem vermittelt die barocke Stadthalle eine zusätzliche emotionale Wirkung.

Den Auftakt des zweistündigen Konzertes bildete die Ouverturen-Sinfonie D-Dur, die im Fasch-Werk-Verzeichnis (FWV) unter K:D 2 vermerkt ist. Mit den sprichwörtlichen "Pauken und Trompeten", im effektvollen Zusammenspiel konzertant flankiert von zwei Hörnern, zwei Oboen, Fagott, den Streichern sowie Basso continuo, bot das Ensemble, das sich voll alter Musik verschrieben hat, eine ausdruckstarke Fasch-Interpretation an.

In dieser wie in den beiden folgenden Erstaufführungen, der Ouverturen-Sinfonie G-Dur (FWV K:G21) sowie der Ouverturen-Sinfonie F-Dur (FWV K:F4), erlebten die Zuhörer die in der Musik Faschs immanent auftretenden besonderen und oftmals auch ganz überraschenden Klangfarbenwechsel, das effektvolle Spielen mit der Lautstärke sowie die oft sehr tänzerisch daherkommenden Rhythmen. Das macht die Musik sehr spannend und unterhaltsam, macht froh und beschwingt.

Ebenso einprägsam für den Hörgenuss sind die von Fasch sehr fantasievoll eingesetzten Bläser, zum Beispiel die Oboen, die in fabelhaften Soli oder im reizvollen musikalischen Dialogen mit den Violinen oder auch mit den Hörnern agieren sowie mit dem betörendem Klang ihrer Melodien Freude verbreiten. Da Fasch seine Ouverturen-Sinfonien, so Fechner, wahrscheinlich für den "Dresdner Bedarf" und die dortigen großen Möglichkeiten der Umsetzung schuf, gibt es auch solche mit opulenter Besetzung.

Das konnte auch Les amis de Philippe in Zerbst mit Bravour realisieren. In der Ouverturen-Sinfonie D-Dur (FWV K:D1) kamen zu der bisherigen Besetzung im Mittelsatz zwei Traversflöten dazu, die die Klangvielfalt aufwerteten. Die Opulenz wurde "auf die Spitze" getrieben, als in der abschließenden Ouverturen-Sinfonie G-Dur (FWV K:G5) vier Hörner und drei Oboen mitwirkten.

Und stets alles im Blick sowie in "dirigierender Gewalt" hatte der mit animierender Körpersprache vom Cembalo aus agierende Ensembleleiter Ludger Rémy.