Hardy Krüger, Jahrgang 1928, spielte in mehr als 70 Filmen meist große Rollen, ist Oscar-Preisträger, war 35-mal der Weltenbummler im Fernsehen, ist Hobbyflieger und seit den 1970er Jahren Schriftsteller. Mit seinem jüngsten Buch "Tango africano" ist er gerade auf Lesereise. Die Scheune im Magdeburger Moritzhof war am Dienstagabend die dritte Station, wo er vor ausverkauftem Haus gute zwei Stunden lang aus dem neuen Roman las.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Es gab Vorschusslorbeeren im Magdeburger Moritzhof. Als Hardy Krüger die Lesebühne betrat, wurde er aus den dicht besetzten Zuschauerreihen mit sehr herzlichem Beifall begrüßt, was dem Schauspieler und Schriftsteller auch sichtlich gefiel. Aber nicht nur der warmherzige Empfang trug zur guten Stimmung in der Scheune bei: "Es macht mir wahnsinnigen Spaß", bekannte Hardy Krüger, "aus meinen eigenen Arbeiten zu lesen." Hardy Krüger hat für die Lesereise mit seinem jüngsten Roman "Tango africano" (Verlag Bastei Lübbe 2010, ISBN: 978-3-7857-2411-8) extra eine Lesefassung geschrieben, die, wie er einführend sagte, nach den Gesetzen des Vorlesens komponiert sei und natürlich ein wenig vom Buchtext abweichen muss.

Und die Lesung erwies sich dann auch als ausgesprochen kunstvoll. Zuerst zog natürlich die warme und immer wieder ausdrucksvolle Stimme des Schauspielers jeden Zuhörer in den Bann. Bereits in den allerersten Sätzen vermochte es der Vorleser, seine Hauptfiguren, den Piloten und ambitionierten, aber erfolglosen Schriftsteller Karl Waller und die "weiße Afrikanerin" Annika zum Leben zu erwecken.

"Tango africano" ist eine Liebesgeschichte, die zuerst bezaubert durch Poesie und feine Sinnlichkeit. Darum vor allem ging es im ersten Teil der Lesung, die auf einen mondänen Silvesterball 1998 in das Berliner Adlon-Hotel führt. Dort kommt es zur schicksalhaften ersten Begegnung. Sie treffen sich beide erst, als sie nicht mehr jung sind und ihr Leben schon in Einsamkeit und kühler Routine zu versickern scheint.

Hardy Krüger ist ein feiner Beobachter und poetischer Sprachspieler, der schöne bildhafte Wörter erfinden kann, sich aber auch ganz ungezwungen und nicht ohne Selbstironie auch aus dem sprachlichen Fundus der gesamten Liebes- und Naturromantik bedient.

Eigentlich ein ganzes Stück aufgeführt

Dass man mitliebt und –leidet auf dem Weg der Liebenden zueinander, liegt an der Natur dieses Weges. Der nämlich führt den Piloten in seiner einmotorigen Sportmaschine den Nil aufwärts auch über und durch den Sudan, um auf der Kaffeeplantage zu Füßen des Kilimandscharo zu seiner Annika zu finden.

Und hier in der Fremde trifft der Berliner Hardy Krüger, nein, Karl Waller, auf die ehemalige DDR in Gestalt eines dicken schwarzen Armeeoffiziers. Der nämlich spricht ihn in sonderbarem Sächsisch an, welches er einst im Vogtland auf einer DDR-Polizeischule gelernt habe und dessen anhaltende verbohrt-sozialistische Gesinnung samt entsprechender Spionageparanoia den Flieger in arge Bedrängnis geraten lässt …

Die Szene kann man als Satire anhören, und das taten die Zuhörer im Moritzhof auch. Ob sie wirklich so gemeint ist, wurde nicht ganz klar. Mindestens eine Anregung, schließlich doch das ganze Buch zu erwerben und zu lesen aber ist dieser Teil der Geschichte schließlich auch.

Hardy Krüger hat mit seiner langen und so schönen Lesung fast eigentlich ein ganzes Stück aufgeführt und hat das Publikum über gute zwei Stunden gefesselt. Muss man noch weiterlesen? Mit der glücklichen Rettung aus der afrikanisch-sächsischen Not beendete er die Lesung, aber man soll doch wissen, dass noch nicht sogleich das erlösende Happyend folgen kann. Also doch lesen.