"Dieser Hoppe ist genial, sagt kein Wort und beherrscht die Szene." Der da seinen Schauspielerkollegen Rolf Hoppe so lobt, muss es wissen: Klaus Maria Brandauer. In seiner gleichnamigen Verfilmung von Thomas Manns "Mario und der Zauberer" spielte er 1993 ebenso mit wie zwölf Jahre zuvor in Ivstàn Szabòs "Mephisto", der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Am 6. Dezember wird Rolf Hoppe 80 Jahre alt.

Von Ute Grundmann

Dresden (dapd). Rolf Hoppe gab zudem den Feldmarschall Hermann Göring, kindlich-verführerisch, aber auch dämonisch-bestürzend. Sein Bild eines Machthabers war beeindruckend, aber nie eine Karikatur. Regisseur Istvàn Szabò lobte an dem Mimen mit dem markanten Schädel und der ebenso prägnanten leise-heiseren Stimme den "Mut zur Verführung".

Rolf Hoppe, der am Nikolaustag seinen 80. Geburtstag feiert, liebt in seinen Rollen die Doppelbödigkeit, den unerwarteten Dreh, mit dem auch seine vielen Schurkenrollen nie zu bloßen Chargen wurden.

Er selbst sieht sich als leidenschaftlichen Theatermimen, auch wenn er seit langem vor allem beim Film und beim Fernsehen arbeitet, und er sieht seine Wurzeln bei den Hofnarren und Possenreißern: "Ich bin doch ein Kasper." In Ellrich im Harz geboren, spielte er schon in der Schule Laientheater, erlernte zunächst aber den Beruf des Vaters, eines Bäckers.

Dann jedoch ging er zur Schauspielausbildung ans Konservatorium in Erfurt, die er wegen einer Stimmbandlähmung unterbrechen musste. Er schlüpfte als Tierpfleger beim Leipziger Zirkus Aeros unter, bis seine Stimme wiederhergestellt und an eine Theaterlaufbahn zu denken war. Anfang der 1950er Jahre war er beim Theater der Jungen Welt in Leipzig "der Spezialist für Braunbären, Nasenbären und Teddybären" (Hoppe über Hoppe).

Es folgten Engagements in Halle, Greifswald, Gera und – 1962 bis 1972 und 1976 bis 1985 – am Staatsschauspiel Dresden. Mit diesem Haus verbindet ihn immer noch viel, nicht nur, dass seine Tochter Christine hier seit vielen Jahren zum Ensem- ble gehört. Hoppe hat auf der Theaterbühne nahezu alle klassischen und komödiantischen Figuren der Weltliteratur gespielt, König Lear ebenso wie den Dorfrichter Adam in "Der zerbrochne Krug", den Galy in Brechts "Mann ist Mann" ebenso wie den Erzieher des Orest in Sophokles "Elektra", an dem die Kritik die "pure Menschlichkeit" rühmte. Und er spielte wiederholt die Figur des Mammon im Salzburger "Jedermann".

"… damit kann ich eben nie aufhören"

200 Theater- stehen neben rund 220 Film- und Fernsehrollen, ein Bereich, dem er sich zunehmend widmete. Und nach "Mephisto" (1981) kamen zu den DEFA-Produktionen auch internationale, vor allem bundesrepublikanische Filme hinzu, etwa die "Frühlingssinfonie", in der er den ehrgeizigen Vater Friedrich Wieck spielte oder den Gefängnisdirektor in Bernhard Wickis Film "Die Grünstein-Variante".

Dass auch er Anfang der 1990er Angst hatte, keine Arbeit zu haben ("Das ging uns doch allen so."), gab er freimütig zu. Doch das erwies sich als unbegründet: Er spielte in "Schtonk", im Fernseh-"Traumschiff" oder in Dani Levys "Alles auf Zucker!". Und auch einige "Tatort"-Folgen erhielten durch Rolf Hoppe einen besonderen Akzent.

1990 begann er mit seinen regelmäßigen Lesungen auf Schloß Weesenstein in Sachsen und schließlich erfüllte sich auch sein Traum von einem "Hoftheater" in einem ehemaligen Dreiseithof in Dresden-Weißig.

Theater ist Rolf Hoppe immer noch wichtig, weil dort das Gemeinschaftserlebnis noch gepflegt wird und er nach wie vor "an die Kunst als Lebenshilfe" glaubt, wie er sagt. Dass er es manchmal auch mit seichten Stoffen zu tun hat, macht ihm nichts aus: "Ich muss einfach spielen, damit kann ich eben nie aufhören."