Ein wundervolles, abwechslungsreiches Konzert in der Wernigeröder Johanniskirche gaben gemeinsam der Rundfunkjugendchor und das Kammerorchester der Harzstadt. Das Publikumsinteresse hätte die Kirche dreimal gefüllt.

Wernigerode l Das gemeinsame Konzert des Rundfunk-Jugendchors und des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode am Sonnabend in der überfüllten Johanniskirche war ein grandioses Ereignis. Aus Benjamin Brittens 1942 entstandenem Opus 28 "A Ceremony Of Carols" erklangen einleitend und zum Abschluss vier Chorsätze. Solokontrabassist Andreas Nettels hatte die ursprünglich für Harfenbegleitung geschriebene Musik für das Kammerorchester einfühlsam bearbeitet.

Inhaltlich weitete sich der Weihnachtsgedanke zum Rückblick auf die eigene Kindheit, zu einer freudvollen Botschaft der Jugend im unendlichen Prozess des Werdens und Vergehens, im Wechselspiel von Dissonanzen und Harmonien. Das war die eigentliche Idee des Konzerts, die es zu einem sehr persönlich empfundenen Juwel machte.

Dann von dem 1970 geborenen Amerikaner Eric Whitacre die A-Cappella-Komposition "Lux aurumque". Eine mit unendlicher Zartheit im sakralen Raum schwebende Pianissimo-Melodie von surrealistischer Vorstellungskraft: "Licht, warm und schwer wie reines Gold. Und die Engel singen für das neugeborene Kind mit weicher Stimme." Der deutsche Text macht den Zauber dieser Tonschöpfung deutlich. Peter Habermann bewies in beiden Werken seine große Meisterschaft, Gedankenlyrik sensibel und assoziationsreich mit der Wunderharfe des Rundfunk-Jugendchores zu musizieren.

Im Mittelteil dirigierte der Gründer des Chors, der 83-jährige Prof. Friedrich Krell, acht deutsche Weihnachtslieder. Von diesen schlichten Weisen ging in Krells Interpretation eine große Magie, ein wundervoller Glanz aus. Vier Chorsolisten verzauberten das Publikum. Das Philharmonische Kammerorchester offerierte zudem barocke Perlen - Corellis Weihnachtskonzert, Bachs Orchestersuite Nr. 1 und aus Händels "Messias" die Hirtenmusik. Orchesterchef Christian Fitzner war erkrankt, so vertrat ihn ganz im barocken Geiste und mit inspirierendem Schwung aus der Mitte des Orchesters der Wernigeröder Konzertmeister Krzysztof Baranowski.

Für den Rundfunk-Jugendchor war es bereits das elfte, für das Kammerorchester das fünfte Weihnachtskonzert in dieser Saison. Aber zum ersten Mal in diesem Jahr musizierten beide Ensembles gemeinsam. Das Gotteshaus hätte dreimal so groß sein können, um der Nachfrage gerecht zu werden. Am gestrigen Sonntag folgte dann noch ein zweiter Auftritt in der Westharzstadt Goslar.